Memantine: Englische Schreibweise von Memantin

Memantine ist die international gebräuchliche englische Schreibweise des Wirkstoffs Memantin. In englischsprachigen Fachinformationen, Produktbezeichnungen und in der internationalen Fachliteratur wird durchgängig diese Form verwendet (Handelsnamen Namenda in den USA, Axura und Ebixa in der EU, generische Präparate). In Deutschland verbreitet ist die deutsche Schreibung Memantin. Pharmakologisch handelt es sich um identischen Wirkstoff.

Memantin wurde ursprünglich 1968 als Antihyperglykämikum entwickelt, später aber als nicht kompetitiver NMDA Rezeptor Antagonist neu charakterisiert und 2002 in der EU für die Behandlung der mittleren bis schweren Alzheimer Demenz zugelassen. Damit ergänzt Memantin das therapeutische Spektrum, das in den frühen Stadien von Cholinesterasehemmern wie Donepezil, Rivastigmin und Galantamin dominiert wird.

Wirkmechanismus

Im normalen Zustand wird der NMDA Rezeptor (N Methyl D Aspartat Rezeptor) durch Glutamat aktiviert und ist zentral an Lernen, Gedächtnis und neuronaler Plastizität beteiligt. Bei Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen kommt es zu einer pathologisch erhöhten und chronischen Glutamatfreisetzung mit Übererregung des NMDA Rezeptors. Dies führt zu Excitotoxizität, Calcium Einstrom und neuronaler Schädigung.

Memantine ist ein nicht kompetitiver, spannungsabhängiger NMDA Rezeptor Antagonist mit moderater Affinität und schneller Off Rate. Es bindet im Ionenkanal des NMDA Rezeptors und blockiert ihn, vor allem unter pathologischen Bedingungen mit kontinuierlich aktiviertem Rezeptor. Bei normaler synaptischer Aktivität dissoziiert Memantine schnell genug, um die physiologische Funktion nicht zu beeinträchtigen.

Daraus resultiert eine Reduktion der pathologischen Übererregung, ohne die normale NMDA vermittelte Signalübertragung zu blockieren. Klinisch zeigen sich moderate Effekte auf Kognition, Verhalten und Alltagsfunktionen, vor allem im fortgeschritteneren Krankheitsstadium.

Anwendungsgebiete

  • Mittlere bis schwere Alzheimer Demenz: zugelassen in der EU und international, Monotherapie oder in Kombination mit einem Cholinesterasehemmer
  • Off Label Anwendungen: vaskuläre Demenz, gemischte Demenz, Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz, Aphasie, autistisches Spektrum, neuropathische Schmerzen, Tinnitus

Bei leichter Alzheimer Demenz ist Memantine in der EU nicht zugelassen, da Studien hier keinen klaren Nutzen belegen.

Dosierung und Einnahme

Aufdosierung:

  • Woche 1: 5 mg einmal täglich morgens
  • Woche 2: 10 mg pro Tag, in zwei Einzeldosen
  • Woche 3: 15 mg pro Tag
  • Ab Woche 4: 20 mg pro Tag (Erhaltungsdosis)

Die Einnahme erfolgt unabhängig von Mahlzeiten. Memantine ist auch als orale Lösung verfügbar, die exakter dosiert werden kann.

Niereninsuffizienz: bei moderater Funktionseinschränkung (CrCl 30 bis 49 ml/min) wird die Dosis auf 10 mg pro Tag begrenzt; bei schwerer Einschränkung (CrCl 5 bis 29 ml/min) auf 10 mg, mit Erhaltung 5 mg pro Tag.

Bei alkalischem Urin steigt die Plasmakonzentration an, was bei vegetarischer Ernährung oder gleichzeitiger Therapie mit Acetazolamid relevant sein kann.

Nebenwirkungen

Häufig: Schwindel, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Verstopfung, Hypertonie, Dyspnoe.

Gelegentlich: Müdigkeit, Verwirrtheit, Halluzinationen, Pilzinfektionen, Erbrechen, Gangunsicherheit, Herzinsuffizienz Verschlechterung, venöse Thromboembolie.

Selten und sehr selten: Krampfanfälle, Pankreatitis, Hepatitis, Psychose, schwere Hautreaktionen, allergische Reaktionen.

Wichtige Punkte:

  • Memantine ist insgesamt gut verträglich, schwere Nebenwirkungen sind selten
  • Halluzinationen treten vor allem bei höheren Dosen oder bei rascher Aufdosierung auf, weshalb das stufenweise Aufdosieren wichtig ist
  • Patienten mit Krampfanfällen in der Anamnese benötigen vorsichtige Anwendung
  • Bei akuter Verschlechterung kognitiver oder körperlicher Symptome sollte an Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen gedacht werden

Wechselwirkungen

  • Andere NMDA Antagonisten (Amantadin, Ketamin, Dextromethorphan): additive Wirkung, Risiko pharmakotoxischer Psychose, Kombination meiden
  • L Dopa, Dopaminagonisten, Anticholinergika: Wirkungsverstärkung möglich
  • Barbiturate, Neuroleptika: möglicher antagonistischer Effekt
  • Acetazolamid, Natriumbicarbonat: Erhöhung des Urin pH, dadurch verminderte renale Ausscheidung von Memantine, Spiegelanstieg
  • Hydrochlorothiazid: reduzierte Wirksamkeit des Diuretikums
  • Cimetidin, Ranitidin, Procainamid, Chinidin, Chinin, Nikotin: theoretische Konkurrenz um das renale Kationen Transportsystem
  • Warfarin: einzelne Berichte über INR Erhöhung

Besondere Hinweise

Schwangerschaft und Stillzeit: in der Indikation Demenz nicht relevant; bei Off Label Anwendung individuell zu beurteilen, da Daten begrenzt sind.

Niereninsuffizienz: Anpassung notwendig, regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion sinnvoll.

Krampfanfälle: Vorsicht bei Patienten mit Anfallsleiden in der Anamnese, da Memantine die Krampfschwelle senken kann.

Schlaf Wach Rhythmus: manche Patienten profitieren von der Einnahme am Vormittag, da Schlaflosigkeit beobachtet wurde.

Therapieerfolg messen: die Wirkung von Memantine ist meist subtil. Klinische Beurteilung mit standardisierten Tests (MMSE, ADAS Cog) und einer Beobachtung der Alltagsfunktionen über 3 bis 6 Monate hinweg ist sinnvoll. Wenn keine Stabilisierung oder Verbesserung erkennbar ist, kann Absetzen erwogen werden.

Familiäre Begleitung: Demenz ist eine Erkrankung, die nicht nur die Patientinnen und Patienten betrifft. Angehörige profitieren von Aufklärung über realistische Therapieerwartungen, Selbsthilfegruppen und Beratungsangebote.

Verwandte Wirkstoffe

  • Donepezil, Cholinesterasehemmer
  • Galantamin, weiterer Cholinesterasehemmer mit nikotinischer Modulation
  • Donezepil, alternative Schreibvariante von Donepezil
  • Buspirone, Anxiolytikum bei Demenz Begleitsymptomen

Häufig gestellte Fragen

Heißt der Wirkstoff Memantine oder Memantin?

Memantine ist die international und englischsprachig übliche Schreibweise. Memantin ist die deutsche Form. Beide bezeichnen identischen Wirkstoff aus der Klasse der NMDA Rezeptor Antagonisten.

Heilt Memantine Alzheimer?

Nein. Memantine kann den Krankheitsverlauf bei mittlerer bis schwerer Alzheimer Demenz vorübergehend verlangsamen und Symptome wie Agitation oder Antriebsverarmung lindern. Eine Heilung oder Aufhalten der zugrunde liegenden Neurodegeneration ist nicht möglich. Realistische Erwartungen helfen, Enttäuschungen zu vermeiden.

Was unterscheidet Memantine von Donepezil?

Donepezil hemmt das Enzym Acetylcholinesterase und erhöht die cholinerge Signalübertragung. Memantine moduliert das glutamaterge System über NMDA Rezeptoren. Beide Wirkstoffe können kombiniert werden, was bei mittlerer bis schwerer Demenz oft sinnvoll ist. Die Indikation für Donepezil reicht von leichter bis schwerer Alzheimer Demenz, Memantine ist erst ab dem mittleren Stadium zugelassen.

Wann sollte Memantine abgesetzt werden?

Wenn der klinische Nutzen ausbleibt oder die Erkrankung in ein sehr fortgeschrittenes Stadium tritt, in dem keine sinnvolle Verbesserung der Lebensqualität mehr erreicht wird. Die Entscheidung wird gemeinsam mit Patienten, Angehörigen und behandelnder Ärztin oder behandelndem Arzt unter Berücksichtigung der individuellen Situation getroffen.

Quellen

Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss

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