Methotrexate: Englische Schreibweise von Methotrexat (Folsäureantagonist)
Methotrexate ist die international gebräuchliche englische Schreibweise von Methotrexat (kurz MTX). Beide bezeichnen denselben Wirkstoff, einen Folsäureantagonisten aus der Gruppe der Antimetabolite. Im deutschen Sprachraum begegnet die englische Form vor allem in Originalpublikationen, internationalen Leitlinien (EULAR, ACR), Studiennamen und auf Verpackungen importierter Präparate. Inhaltlich besteht kein Unterschied zwischen Methotrexate und Methotrexat. Wir haben die ausführliche Pillar Page unter /wirkstoff/methotrexat hinterlegt; diese Seite fasst die Eckdaten zusammen und führt Sie zur deutschen Hauptseite.
MTX wurde 1947 erstmals in der Pädiatrie zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie eingesetzt und gehört bis heute zu den wichtigsten Arzneimitteln in Onkologie, Rheumatologie und Dermatologie. In der Rheumatologie wird MTX als Anker DMARD (disease modifying antirheumatic drug) eingesetzt, in der Onkologie hochdosiert bei Leukämie, Lymphom und Osteosarkom. Wichtig zu wissen: Die Dosierungen unterscheiden sich um bis zu zwei Größenordnungen, die Verwechslung von wöchentlicher Rheumatologie Dosis mit täglicher Einnahme ist eine der am häufigsten gemeldeten Medikationsfehler in Deutschland.
Wirkmechanismus
Methotrexate hemmt kompetitiv das Enzym Dihydrofolat Reduktase (DHFR) und blockiert damit die Umwandlung von Dihydrofolat zu Tetrahydrofolat. Tetrahydrofolat ist Cofaktor bei der Synthese von Thymidylat und Purinbasen, also bei der DNA Synthese. Durch den Folsäuremangel verlangsamt sich die Zellproliferation, besonders in schnell teilenden Zellen wie Tumorzellen, Lymphozyten und Hautzellen.
In der niedrig dosierten rheumatologischen Anwendung steht ein anderer Effekt im Vordergrund: MTX hemmt die AICAR Transformylase und führt zur Akkumulation von Adenosin, einem starken körpereigenen Entzündungshemmer. Diese antiinflammatorische Wirkung erklärt, warum MTX bei rheumatoider Arthritis bereits in Wochendosen von 7,5 bis 25 mg Schmerzen und Gelenkzerstörung bremst, ohne wesentliche zytostatische Wirkung zu entfalten.
Die Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe schwankt zwischen 30 und 80 Prozent und wird mit steigender Dosis schlechter. Die subkutane Gabe verbessert Aufnahme und Wirkstärke, weshalb sie bei unzureichendem Ansprechen auf Tabletten oft bevorzugt wird. Eliminiert wird MTX überwiegend renal, weshalb eine Niereninsuffizienz die Plasmaspiegel und damit die Toxizität deutlich erhöht.
Anwendungsgebiete
- Rheumatologie: rheumatoide Arthritis (Erstlinien DMARD), Psoriasis Arthritis, juvenile idiopathische Arthritis, Spondyloarthritiden mit peripherem Befall
- Dermatologie: mittelschwere bis schwere Psoriasis vulgaris, atopisches Ekzem off label
- Gastroenterologie: Morbus Crohn (Remissionserhalt), Autoimmunhepatitis off label
- Onkologie hochdosiert: akute lymphatische Leukämie, Non Hodgkin Lymphom, Osteosarkom, ZNS Lymphom (intrathekale Gabe)
- Gynäkologie: Behandlung der Tubargravidität (Extrauteringravidität)
Dosierung und Einnahme
Rheumatologie und Dermatologie: 7,5 bis 25 mg einmal wöchentlich oral, subkutan oder intramuskulär. Die Wochendosis darf niemals täglich verabreicht werden. 24 bis 48 Stunden nach MTX wird Folsäure 5 bis 10 mg substituiert, um Mukositis, Leberwerterhöhung und Übelkeit zu mildern. Die Wirkung tritt verzögert nach sechs bis zwölf Wochen ein.
Onkologie: Hochdosis Schemata von 1 bis 12 g/m² Körperoberfläche unter stationären Bedingungen mit Calciumfolinat Rescue, Hyperhydratation und Urinalkalisierung. Diese Therapie wird ausschließlich im spezialisierten Zentrum verabreicht. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR unter 60 ml/min) ist Vorsicht geboten, ab eGFR unter 30 ml/min ist MTX kontraindiziert.
Nebenwirkungen
Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Mundschleimhautentzündung (Stomatitis), Müdigkeit am Tag der Einnahme, Haarverdünnung, Transaminasenerhöhung, Leukopenie und Anämie.
Gelegentlich bis selten: Hepatotoxizität bis zur Leberfibrose bei Langzeitanwendung, MTX Pneumonitis (akute Atemnot mit Fieber, kann in jeder Therapiephase auftreten), Knochenmarksuppression, Nierenfunktionsverschlechterung.
Wichtig: MTX ist teratogen und embryotoxisch. Bei Frauen muss die Therapie mindestens einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft beendet werden, bei Männern werden gemäß aktueller EULAR Empfehlung drei Monate Karenz diskutiert. Während der Therapie ist eine sichere Kontrazeption erforderlich.
Wechselwirkungen
- NSAR (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen): verdrängen MTX aus der Plasmaeiweißbindung und vermindern die renale Ausscheidung; in niedriger Rheumadosis meist tolerabel, in Hochdosis gefährlich
- Cotrimoxazol (Trimethoprim/Sulfamethoxazol): additiver Folsäureantagonismus; Risiko schwerer Knochenmarksuppression
- Protonenpumpenhemmer: verzögern MTX Elimination, besonders relevant bei Hochdosistherapie
- Penicilline: reduzieren MTX Clearance
- Lebendimpfstoffe: kontraindiziert unter immunsuppressiver Wirkdosis
- Alkohol: verstärkt Hepatotoxizität, möglichst meiden
Besondere Hinweise
Schwangerschaft und Stillzeit: kontraindiziert. MTX ist abortiv und teratogen, ein Eintreten der Schwangerschaft unter Therapie macht eine Reproduktionsmedizinische Beratung dringend erforderlich. In der Stillzeit ist MTX nicht zugelassen.
Monitoring: Blutbild und Lebertransaminasen alle vier bis acht Wochen, Kreatinin alle drei Monate, einmal jährlich Lungenfunktion bei klinischem Verdacht. Patienten erhalten einen MTX Pass mit Notation der Wochendosis, um die häufigste Verwechslungsquelle (täglich statt wöchentlich) zu vermeiden.
Impfungen: Inaktivierte Impfstoffe (Influenza, COVID 19, Pneumokokken) sind unter MTX zugelassen und empfohlen. Lebendimpfstoffe (MMR, Varizellen, Gelbfieber) sollten vor Therapiebeginn appliziert werden.
Das könnte Sie auch interessieren
- Methotrexat, die ausführliche deutsche Hauptseite
- Folinsäure, das Antidot bei Hochdosis MTX
- Leflunomid, alternatives DMARD
- Sulfasalazin, weiteres Basistherapeutikum
- Adalimumab, biologisches DMARD bei MTX Versagen
Häufig gestellte Fragen
Ist Methotrexate dasselbe wie Methotrexat?
Ja. Methotrexate ist die englische Schreibweise, Methotrexat die im deutschen Sprachraum übliche Form. Beide bezeichnen exakt denselben Wirkstoff (Folsäureantagonist, ATC L01BA01). Auf importierten Verpackungen oder in englischen Studien finden Sie meist die Form mit e am Ende.
Warum nehme ich MTX nur einmal in der Woche?
Die antientzündliche Wirkung bei Rheuma und Psoriasis hält über die Woche an, während sich die Schleimhaut und das Knochenmark zwischen den Dosen erholen können. Eine tägliche Einnahme würde zu schwerer Knochenmarksuppression und Mukositis führen. Versehentliche tägliche Einnahmen sind in Deutschland eine bekannte Fehlerquelle und werden über das CIRS Berichtssystem erfasst.
Warum gibt mein Arzt zusätzlich Folsäure?
Folsäure (5 bis 10 mg, 24 bis 48 Stunden nach MTX) reduziert nachweislich Übelkeit, Mundschleimhautentzündung und erhöhte Leberwerte, ohne die Wirksamkeit relevant abzuschwächen. EULAR empfiehlt die Substitution standardmäßig.
Darf ich unter MTX Alkohol trinken?
Beides belastet die Leber. Internationale Leitlinien empfehlen, Alkohol stark einzuschränken oder ganz zu vermeiden, vor allem in den ersten Therapiemonaten und bei vorbestehenden Lebererkrankungen.
Quellen
- Gelbe Liste, Methotrexat Wirkstoffprofil
- AWMF Leitlinien Rheumatoide Arthritis und Psoriasis
- BfArM, Rote Hand Brief Methotrexat (Dosierungswarnung)
- EMA Fachinformationen Methotrexat Präparate
Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss
Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Sie ersetzen nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Arzneimittel sollten stets nur nach ärztlicher Verordnung oder apothekenpflichtiger Abgabe eingenommen werden. Alle Angaben basieren auf zum Zeitpunkt der Erstellung veröffentlichten Fachinformationen und anerkannten wissenschaftlichen Quellen; maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fachinformation des Herstellers. Sanoliste übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der dargestellten Informationen. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie den Notruf 112.