Azelastinhydrochlorid: Salzform des H1 Antihistaminikums Azelastin

Azelastinhydrochlorid ist die in nahezu allen Fertigarzneimitteln verwendete Salzform von Azelastin, einem H1 Antihistaminikum der zweiten Generation aus der Gruppe der Phthalazinone. Bekannte Handelsnamen sind Allergodil (Nasenspray und Augentropfen), Vividrin akut Azelastin (Nasenspray), Pollival Azelastin und in fester Kombinationspräparaten Dymista (mit Fluticasonpropionat). Eine ausführliche Pillar Page zum Wirkstoff selbst finden Sie unter /wirkstoff/azelastin.

Die topische Anwendung von Azelastinhydrochlorid in Nasensprays und Augentropfen ist Standard bei allergischer Rhinitis und Konjunktivitis. Im Gegensatz zu oralen Antihistaminika wirkt die topische Form nahezu sofort (innerhalb von 15 Minuten), mit minimaler systemischer Resorption und damit weniger zentralnervösen Nebenwirkungen wie Müdigkeit. Diese Eigenschaft macht Azelastin Spray besonders geeignet für die rasche symptomatische Behandlung akuter Pollen oder Tierhaarallergie.

Wirkmechanismus und Salzform

Das Hydrochlorid Salz wird gewählt, weil es gute Wasserlöslichkeit und Stabilität in wässrigen Sprays und Augentropfen bietet. Im Körper dissoziiert es sofort in Azelastin und Chlorid, sodass die Wirkung ausschließlich durch Azelastin getragen wird.

Azelastin ist ein selektiver kompetitiver Antagonist am peripheren H1 Histamin Rezeptor. Es blockiert die Bindung von Histamin und damit die histaminvermittelten allergischen Symptome wie Pruritus, Niesen, Rhinorrhö und Augentränen. Anders als ältere H1 Antagonisten der ersten Generation überquert Azelastin die Blut Hirn Schranke nur in geringem Maß und verursacht daher kaum Sedierung.

Daneben hat Azelastin antientzündliche Eigenschaften, die über die reine H1 Blockade hinausgehen. Es hemmt die Freisetzung von Mediatoren aus Mastzellen (Mastzellstabilisierung), reduziert die Bildung von Leukotrienen und Plättchen aktivierendem Faktor (PAF) und moduliert die Aktivität von Eosinophilen. Diese pleiotropen Effekte erklären, warum die Wirkung über die akute Histamin Blockade hinausgeht.

Pharmakokinetisch wird Azelastin nach topischer Anwendung kaum systemisch resorbiert (etwa 40 Prozent bei nasaler Anwendung), die orale Form (in Deutschland nicht im Handel) hat eine Bioverfügbarkeit von etwa 80 Prozent. Halbwertszeit etwa 22 Stunden, weshalb zweimal tägliche Anwendung ausreicht.

Anwendungsgebiete

  • Saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen): Akut und Erhaltungstherapie
  • Perenniale (ganzjährige) allergische Rhinitis: bei Tierhaar, Hausstaubmilbe, Schimmelpilze
  • Allergische Konjunktivitis: als Augentropfen
  • Vasomotorische Rhinitis: off label, bei nicht allergischer Schnupfen Form
  • Akute Erstlinie bei Allergie Symptomen: wegen schnellem Wirkungseintritt

Dosierung und Anwendung

Nasenspray Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren: ein Sprühstoß pro Nasenloch zweimal täglich. Bei schweren Symptomen kann die Häufigkeit kurzzeitig erhöht werden.

Augentropfen: ein Tropfen in jedes Auge zweimal täglich, bei Bedarf bis viermal täglich. Anwendung möglich ab 4 Jahren bei saisonaler und ab 12 Jahren bei perennialer allergischer Konjunktivitis.

Anwendungsdauer: kann über Wochen bis Monate erfolgen, je nach allergischem Auslöser. Ohne Wirksamkeitsverlust auch bei Daueranwendung.

Anwendungstipps: Nase vor Sprayanwendung schnäuzen, Spray senkrecht in die Nase einführen und sanft inhalieren. Vor Augentropfen Hände waschen, Kontaktlinsen vor der Anwendung entfernen und nach 15 Minuten wieder einsetzen. Nach jeder Tropfung Augenlid kurz schließen, um die Wirkstoffverteilung zu fördern.

Nebenwirkungen

Häufig: bitterer Geschmack nach nasaler Anwendung (typische Nebenwirkung von Azelastin Spray, kann durch Kopf nach vorne neigen reduziert werden), lokale Reizung der Nasenschleimhaut, Niesen kurz nach Anwendung, leichte Hautreaktion am Auge nach Augentropfen.

Gelegentlich: trockene Schleimhäute, Müdigkeit (geringer als bei oralen Antihistaminika der ersten Generation), Kopfschmerzen, Übelkeit, leichte Sedierung.

Selten: allergische Reaktionen einschließlich Anaphylaxie, Hautausschlag, Tachykardie, Bewusstseinsstörung bei Überdosierung (vor allem bei oraler Aufnahme).

Wichtig: der bittere Geschmack ist die häufigste Beschwerde unter Azelastin Spray und führt manchmal zum Therapieabbruch. Tipps wie Kopf nach vorne neigen statt nach hinten und Anwendung mit dem Mund leicht geöffnet können den Geschmack reduzieren.

Wechselwirkungen

  • Andere ZNS dämpfende Wirkstoffe (Alkohol, Benzodiazepine, Opioide): theoretisch additive Sedierung, klinisch bei topischer Anwendung wenig relevant
  • QT verlängernde Wirkstoffe: theoretisch additive QT Verlängerung bei systemischer Aufnahme, klinisch bei topischer Anwendung wenig relevant
  • Andere intranasale Wirkstoffe (Glukokortikoid Sprays): Kombination möglich und in Dymista standardisiert; bei separater Anwendung Abstand von einigen Minuten
  • Cimetidin: theoretische Spiegelerhöhung, klinisch bei topischer Anwendung wenig relevant

Besondere Hinweise

Schwangerschaft und Stillzeit: Daten zur topischen Anwendung in der Schwangerschaft sind begrenzt, aber wegen geringer systemischer Resorption gilt Azelastin als relativ sicher. In der Stillzeit ist die Anwendung möglich, alternative gut untersuchte Antihistaminika (Loratadin, Cetirizin) können als orale Reserve gewählt werden.

Kombination mit nasalen Glukokortikoiden: bei mittelschwerer bis schwerer allergischer Rhinitis ist die Kombination Antihistaminikum plus Glukokortikoid wirksamer als jede Einzelsubstanz. Dymista (Azelastin plus Fluticasonpropionat) bietet diese Kombination in einem Spray, mit besserer Adhärenz als zwei getrennte Sprays.

Allergie Karenz: die wirksamste Maßnahme bei allergischer Rhinitis bleibt die Vermeidung des Allergens (Pollenkalender, Hausstaubmilbenmaßnahmen, Tierhaarvermeidung). Spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) kann bei schwerer Allergie eine kausale Behandlung sein.

Kontaktlinsen: Allergodil Augentropfen mit Konservierungsmitteln können von weichen Kontaktlinsen aufgenommen werden. Linsen vor Anwendung entfernen und nach 15 Minuten wieder einsetzen, oder konservierungsmittelfreie Einzeldosis Präparate verwenden.

Das könnte Sie auch interessieren

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Azelastin und Azelastinhydrochlorid?

Pharmakologisch keiner. Azelastinhydrochlorid ist die wasserlösliche Salzform, die in fast allen Arzneimitteln verwendet wird. Im Körper dissoziiert sie sofort in das wirksame Azelastin und Chlorid.

Wie schnell wirkt Azelastin Nasenspray?

Bereits innerhalb von 15 Minuten nach Anwendung sind die ersten Verbesserungen der Symptome wie Niesreiz, Pruritus und Rhinorrhö spürbar. Die volle Wirkung entwickelt sich über die ersten Stunden. Diese rasche Wirkung macht Azelastin Spray besonders attraktiv für die Behandlung akuter Allergie Symptome.

Was kann ich gegen den bitteren Geschmack tun?

Der bittere Geschmack entsteht durch das Herabfließen des Sprays in den Rachen und wird von vielen Patientinnen und Patienten als unangenehm empfunden. Tipps: Kopf nach vorne neigen (nicht nach hinten) während der Anwendung, sanft inhalieren ohne tief einzuatmen, danach den Mund spülen oder ein Bonbon lutschen. Bei anhaltend unerträglichem Geschmack kann ein Wechsel auf ein anderes intranasales Antihistaminikum sinnvoll sein.

Kann ich Azelastin und ein orales Antihistaminikum kombinieren?

Bei schweren Allergie Symptomen kann die Kombination eines lokalen mit einem systemischen Antihistaminikum sinnvoll sein, ohne wesentliches additives Risiko. In den meisten Fällen ist allerdings die Kombination Azelastin plus intranasales Glukokortikoid (z. B. Dymista) wirksamer als die Doppelung von Antihistaminika.

Quellen

Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss

Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Sie ersetzen nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Arzneimittel sollten stets nur nach ärztlicher Verordnung oder apothekenpflichtiger Abgabe eingenommen werden. Alle Angaben basieren auf zum Zeitpunkt der Erstellung veröffentlichten Fachinformationen und anerkannten wissenschaftlichen Quellen; maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fachinformation des Herstellers. Sanoliste übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der dargestellten Informationen. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie den Notruf 112.