Colestyramin: Gallensäurebinder bei Cholesterin und Juckreiz

Colestyramin ist ein Anionenaustauscher-Harz (Gallensäurebinder), das nicht aus dem Darm resorbiert wird und daher rein lokal im Dünndarm wirkt. Es bindet Gallensäuren im Darmlumen irreversibel und verhindert deren enterohepatische Rückzirkulation. Damit senkt Colestyramin den Cholesterinspiegel und eignet sich zugleich als Therapieoption bei Erkrankungen, bei denen überschüssige Gallensäuren im Körper Juckreiz auslösen.

Colestyramin war eines der ersten lipidsenkenden Medikamente. In der Landmark-Studie Lipid Research Clinics (1984) wurde es als kardiovaskulär protektiv nachgewiesen. Heute spielt es in der Lipidtherapie nur noch eine Nebenrolle gegenüber Statinen, behält aber in speziellen Indikationen wie dem cholestatischen Juckreiz oder der Gallensäure-Malabsorption seine klinische Relevanz.

Wirkmechanismus

Colestyramin ist ein quaternäres Ammonium-Anionenaustauscher-Harz, das im Dünndarm Gallensäuren (negativ geladen) durch Ionenaustausch bindet und mit dem Stuhl ausscheidet. Durch den enterohepatischen Gallensäuremangel wird die Leber stimuliert, mehr Cholesterin zur Gallensäuresynthese zu verwenden. Gleichzeitig wird die hepatische LDL-Rezeptor-Expression erhöht, was zu verstärkter LDL-Cholesterol-Aufnahme aus dem Blut führt. Das Resultat ist eine Senkung des LDL-Cholesterin-Spiegels um 10 bis 25 Prozent. Triglyzeride können durch Colestyramin ansteigen.

Anwendungsgebiete

Colestyramin ist indiziert zur Senkung erhöhter LDL-Cholesterinwerte bei primärer Hypercholesterinämie, wenn Statin-Therapie unzureichend ist oder nicht vertragen wird. Bei cholestatischen Lebererkrankungen (primäre biliäre Cholangitis, intrahepatische Schwangerschaftscholestase) wird Colestyramin zur Behandlung des Gallensäure-induzierten Juckreizes eingesetzt. Weitere Indikationen sind Gallensäure-Malabsorption (nach Ileumresektion oder Morbus Crohn) mit chronischem Durchfall sowie Digoxin-Intoxikation (um Digoxin im Darm zu binden und die enterohepatische Rezirkulation zu unterbrechen).

Dosierung und Einnahme

Colestyramin wird als Pulver oder Granulat in Wasser oder Fruchtsaft aufgelöst eingenommen. Standarddosierung: 4 g (ein Beutel) ein- bis dreimal täglich, zu den Mahlzeiten eingenommen. Maximaldosis: 24 g täglich. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig; aromatisierte Präparate verbessern die Formulierung und erhöhen so die Compliance. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wegen der Interaktion mit anderen Medikamenten müssen andere Arzneimittel mindestens eine Stunde vor oder vier bis sechs Stunden nach Colestyramin eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Gastrointestinale Beschwerden dominieren: Obstipation (bei etwa 10 bis 30 Prozent), Blähungen, Übelkeit und Bauchschmerzen sind häufig. Obstipation lässt sich durch ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr mildern, erfordert bei schweren Fällen ein Laxativum. Bei Langzeitanwendung können fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) und Folsäure durch Bindung im Darm nicht ausreichend resorbiert werden; eine Supplementierung kann notwendig sein. Hypertriglyzeridämie kann als Klasseneffekt auftreten.

Wechselwirkungen

Colestyramin bindet im Darm neben Gallensäuren auch zahlreiche Arzneimittel: Digoxin, Levothyroxin, Warfarin, Thiaziddiuretika, Betablocker, Statine, fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) und viele weitere Substanzen können in ihrer Resorption erheblich reduziert werden. Das kann die Wirksamkeit dieser Medikamente beeinträchtigen. Der Einnahmeabstand von mindestens einer Stunde vor und vier bis sechs Stunden nach Colestyramin ist daher obligatorisch und gilt als wichtigste Einnahmeregel.

Besondere Hinweise

Colestyramin ist verschreibungspflichtig. Es ist kontraindiziert bei vollständigem Gallengangsverschluss (dann können keine Gallensäuren in den Darm gelangen; die Therapie wirkt nicht und der Juckreiz wird nicht beeinflusst). Bei Hypertriglyzeridämie ist Vorsicht geboten, da Colestyramin die Triglyzeride erhöhen kann. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Colestyramin nur bei zwingender Indikation eingesetzt werden, da die Absorption fettlöslicher Vitamine beeinträchtigt wird. Informieren Sie Patienten über den strikten Einnahmeabstand zu anderen Medikamenten.

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Häufig gestellte Fragen

Warum muss zu anderen Medikamenten so ein großer Abstand eingehalten werden?

Colestyramin ist ein nichtselektives Bindeharz und bindet im Darm nicht nur Gallensäuren, sondern auch viele geladene und lipophile Medikamente. Dadurch verhindert es deren Aufnahme in den Körper. Dieser Effekt tritt auf, wenn Colestyramin gleichzeitig mit anderen Medikamenten im Darm vorliegt. Ein ausreichend großer zeitlicher Abstand minimiert diesen Einfluss.

Wirkt Colestyramin gegen alle Arten von Juckreiz?

Nein. Colestyramin wirkt spezifisch gegen Juckreiz, der durch erhöhte Gallensäurespiegel in der Haut verursacht wird (cholestatischer Pruritus). Juckreiz anderer Ursache (Allergie, Neurodermitis, Niereninsuffizienz) wird durch Colestyramin nicht beeinflusst.

Wird Colestyramin noch zur Cholesterinsenkung eingesetzt?

Seltener als früher, da Statine effektiver und besser verträglich sind. Colestyramin hat aber weiterhin einen Platz bei Statin-Unverträglichkeit, bei Kindern mit familiärer Hypercholesterinämie und als Kombinationspartner zur weiteren LDL-Senkung bei Hochrisikopatienten.

Quellen

  • ESC/EAS-Leitlinie Dyslipidämien 2022
  • Fachinformation Quantalan (Colestyramin), aktueller Stand
  • Beuers U et al: Cholestatic Pruritus. Hepatology 2023