Fluticasone: Englische Schreibweise des Glukokortikoids Fluticason
Fluticasone ist die englische Schreibweise des hochpotenten synthetischen Glukokortikoids Fluticason. In englischsprachiger Fachliteratur und in vielen Handelsnamen (Flixotide, Avamys, Flonase, Cutivate) findet sich diese Form. In Deutschland ist die deutsche Schreibung Fluticason gebräuchlich. Pharmakologisch handelt es sich um identischen Wirkstoff, der in zwei Esterformen (Fluticasonpropionat und Fluticasonfuroat) eingesetzt wird.
Fluticasone ist eines der am häufigsten verschriebenen inhalativen und topischen Glukokortikoide. Es kombiniert hohe Rezeptoraffinität mit niedriger systemischer Bioverfügbarkeit, was eine starke lokale Wirkung bei reduzierten systemischen Effekten ermöglicht. Eingesetzt wird der Wirkstoff bei Asthma bronchiale, COPD, allergischer Rhinitis, atopischer Dermatitis und seit 2024 auch bei eosinophiler Ösophagitis (Jorveza, allerdings dort Budesonid).
Wirkmechanismus
Fluticasone bindet mit hoher Affinität an den intrazellulären Glukokortikoidrezeptor. Der Hormonrezeptorkomplex wandert in den Zellkern und reguliert die Transkription zahlreicher Gene. Die wichtigsten klinisch relevanten Wirkungen sind:
- Hemmung der Phospholipase A2, dadurch reduzierte Synthese von Prostaglandinen, Leukotrienen, Plättchen aktivierendem Faktor
- Reduktion der Zytokinfreisetzung aus T Zellen, Mastzellen, Eosinophilen
- Hemmung der Migration entzündlicher Zellen ins Gewebe
- Stabilisierung der vaskulären Permeabilität
- Erhöhung der Sensitivität der Bronchialmuskulatur gegenüber Beta 2 Agonisten
Die hohe lokale Wirkung mit geringer systemischer Bioverfügbarkeit (etwa 1 % nach Inhalation) basiert auf der starken hepatischen First Pass Metabolisierung über CYP3A4 und der schnellen Clearance.
Anwendungsgebiete
- Asthma bronchiale: inhalativ als Einzelwirkstoff (Flixotide) oder in Fixkombinationen mit Salmeterol (Seretide), Vilanterol (Relvar Ellipta) oder in Triple Therapien
- Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): bei Patienten mit häufigen Exazerbationen oder Asthma COPD Overlap, in Kombinationspräparaten
- Allergische Rhinitis: nasal als Spray (Avamys, Flonase) bei saisonaler und perennialer Form
- Atopische Dermatitis und andere entzündliche Hauterkrankungen: topisch als Creme oder Salbe (Cutivate)
- Nasale Polypen: nasal mit guter Wirksamkeit
Dosierung und Anwendung
Asthma inhalativ Erwachsene: 100 bis 1.000 µg pro Tag, je nach Schweregrad. Aufgeteilt auf zwei Einzelgaben, bei niedrigen Dosen einmal täglich möglich.
COPD inhalativ: 500 µg zweimal täglich oder als Bestandteil moderner Triple Therapien.
Allergische Rhinitis nasal: 1 Sprühstoß in jedes Nasenloch einmal täglich (Fluticasonfuroat 27,5 µg).
Topisch Erwachsene: Cutivate Creme 0,05 % oder Salbe 0,005 %, ein bis zweimal täglich auf die betroffenen Hautstellen, möglichst dünn.
Bei Inhalation ist die richtige Anwendungstechnik entscheidend. Mund mit Wasser ausspülen reduziert das Risiko von oraler Candidose und Heiserkeit.
Nebenwirkungen
Inhalativ häufig: Heiserkeit, oraler Soor (orale Candidose), Husten, Reizung der Atemwege, Kopfschmerzen.
Nasal häufig: Nasenbluten, Reizung der Nasenschleimhaut, Halsschmerzen.
Topisch häufig: Hautatrophie bei längerer Anwendung, Teleangiektasien, periorale Dermatitis, Striae.
Systemisch (bei hohen Inhalationsdosen oder Langzeitanwendung): Cushing ähnliche Symptome, Wachstumsverzögerung bei Kindern, Osteoporose, Katarakt, Glaukom, Nebenniereninsuffizienz nach abruptem Absetzen.
Wichtige Punkte:
- Mund nach Inhalation ausspülen, um oralen Soor zu vermeiden
- Bei Kindern Wachstum kontrollieren
- Topisch im Gesicht und in Hautfalten zurückhaltend einsetzen
- Bei lang dauernder Hochdosis Inhalation Knochendichte und Augenstatus überwachen
Wechselwirkungen
- Starke CYP3A4 Hemmer (Itraconazol, Ketoconazol, Ritonavir, Erythromycin): deutliche Spiegelerhöhung mit Risiko für systemische Steroideffekte, Kombination möglichst meiden
- Beta Adrenergika (LABA, SABA): sinnvolle Kombination zur Bronchodilatation
- Andere Glukokortikoide: additive systemische Wirkung
- Antidiabetika: bei systemisch wirksamer Dosis Hyperglykämie möglich
Besondere Hinweise
Schwangerschaft: bei klarer Indikation einsetzbar. Erfahrungen aus der Asthmatherapie zeigen kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko.
Stillzeit: kleine Mengen gehen in die Milch über, klinisch in der Regel unbedenklich.
Kinder: inhalative und nasale Anwendung etabliert, regelmäßige Wachstumskontrolle empfohlen.
Inhalationstechnik: regelmäßige Überprüfung der Anwendung. Spacer für Dosieraerosole verbessert Lungendeposition und reduziert oropharyngeale Nebenwirkungen.
Therapieende: langsame Reduktion bei längerer hochdosiger Therapie, um eine Nebenniereninsuffizienz zu vermeiden.
Patientenkommunikation: realistische Aufklärung über die Bedeutung der konsequenten täglichen Anwendung als Basistherapie. Inhalative Steroide wirken nicht akut und müssen regelmäßig angewendet werden, auch wenn keine akuten Beschwerden vorliegen.
Verwandte Wirkstoffe
- Fluticason, deutsche Schreibung des gleichen Wirkstoffs
- Betamethasone, hochpotentes Glukokortikoid
- Aclidinium, LAMA bei COPD
- Umeclidinium, LAMA in Trelegy Triple Therapie
- Montelukast, Leukotrien Antagonist bei Asthma
Häufig gestellte Fragen
Fluticasone oder Fluticason?
Englisch Fluticasone, Deutsch Fluticason. Identischer Wirkstoff in zwei Esterformen (Propionat, Furoat) für unterschiedliche galenische Anwendungen.
Warum Mund nach Inhalation ausspülen?
Geringe Mengen Wirkstoff bleiben im Mund Rachen Bereich liegen. Ein Ausspülen mit Wasser oder Ausspucken nach Mundgurgeln reduziert das Risiko von oraler Candidose und Heiserkeit deutlich. Bei Kindern hilft auch das Trinken eines Schluck Wassers.
Bremst inhalatives Fluticasone das Wachstum?
Bei Kindern wurde unter inhalativer Steroidtherapie eine geringe und meist transiente Wachstumsverzögerung beobachtet. Langzeitstudien zeigen, dass die Endgröße praktisch nicht beeinträchtigt wird, wenn die Dosis angemessen gewählt wird. Regelmäßige Wachstumskontrollen sind sinnvoll.
Kann ich die Inhalation absetzen, wenn ich keine Beschwerden habe?
Inhalative Steroide sind eine Basistherapie. Bei fehlender konsequenter Anwendung steigen Exazerbationen und langfristig die Krankheitsaktivität. Eine Anpassung der Therapie oder ein Auslassversuch sollten immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Quellen
- EMA Europäische Arzneimittelagentur
- BfArM Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- AWMF NVL Asthma und COPD
- Gelbe Liste Fluticason Wirkstoffprofil
Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss
Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Sie ersetzen nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Arzneimittel sollten stets nur nach ärztlicher Verordnung oder apothekenpflichtiger Abgabe eingenommen werden. Alle Angaben basieren auf zum Zeitpunkt der Erstellung veröffentlichten Fachinformationen und anerkannten wissenschaftlichen Quellen; maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fachinformation des Herstellers. Sanoliste übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der dargestellten Informationen. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie den Notruf 112.