Perindopril: ACE-Hemmer bei Bluthochdruck und Herzerkrankungen

Perindopril ist ein ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzyme-Inhibitor) mit langer Wirkdauer, der zur Behandlung von Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos nach Herzinfarkt oder bei stabiler koronarer Herzerkrankung zugelassen ist. ACE-Hemmer gehören zur Basistherapie zahlreicher Herzerkrankungen und sind in kardiologischen Leitlinien fest verankert.

Perindopril ist ein Prodrug, das im Körper zum aktiven Metaboliten Perindoprilat umgewandelt wird. Häufig wird Perindopril in fixen Kombinationspräparaten mit dem Diuretikum Indapamid oder dem Kalziumantagonisten Amlodipin angeboten, was die Compliance bei der Kombinationstherapie des Bluthochdrucks verbessert.

Wirkmechanismus

Perindoprilat hemmt das Angiotensin-Converting-Enzyme, das Angiotensin I in das vasokonstriktorische Angiotensin II umwandelt. Durch die verminderte Angiotensin-II-Bildung werden Vasokonstriktion, Aldosteron-Ausschüttung (Natrium- und Wasserretention) und Herzmuskelzell-Proliferation gehemmt. Gleichzeitig steigen Bradykinin-Spiegel an, da ACE auch am Bradykinin-Abbau beteiligt ist. Bradykinin wirkt vasodilatatorisch über Stickstoffmonoxid, ist aber auch für den typischen Husten verantwortlich. Die kardioprotektiven Effekte der ACE-Hemmer gehen über die reine Blutdrucksenkung hinaus und umfassen Rückbildung der linksventrikulären Hypertrophie und Verbesserung der Herzfunktion.

Anwendungsgebiete

Perindopril ist zugelassen für die Behandlung der arteriellen Hypertonie, der symptomatischen Herzinsuffizienz (in Kombination mit Diuretika und ggf. Herzglykosiden), zur Reduktion des Risikos kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit stabiler koronarer Herzerkrankung sowie nach Herzinfarkt. In der EUROPA-Studie zeigte Perindopril 8 mg bei KHK-Patienten eine signifikante Reduktion des primären Endpunkts (Herzinfarkt, Herzstillstand, Herzinsuffizienz) um 20 Prozent.

Dosierung und Einnahme

Die Initialdosis beträgt 2,5 bis 5 mg einmal täglich morgens, bei älteren Patienten und bei Herzinsuffizienz mit 2,5 mg beginnend. Die Erhaltungsdosis beträgt 5 bis 10 mg einmal täglich. Perindopril sollte morgens vor dem Frühstück eingenommen werden, da Nahrung die Umwandlung zum aktiven Metaboliten verlangsamt. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Dosisanpassung erforderlich (Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min). Zu Therapiebeginn kann eine ausgeprägte Blutdrucksenkung (First-dose-Hypotonie) auftreten, besonders bei Patienten mit Natriummangel oder unter Diuretikatherapie.

Nebenwirkungen

Trockener Reizhusten ist die häufigste Nebenwirkung und tritt bei 10 bis 15 Prozent der Patienten auf. Er ist ein Klasseneffekt aller ACE-Hemmer und beruht auf dem Bradykinin-Anstieg. Bei ausgeprägtem Husten ist ein Wechsel auf einen Angiotensin-II-Rezeptorblocker (Sartan) angezeigt. Angioödem (plötzliche Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Kehlkopf) ist selten, aber potenziell lebensbedrohlich und erfordert sofortige Therapie und dauerhaftes Absetzen. Hypotonie, Hyperkaliämie, Nierenfunktionsverschlechterung, Schwindel und Kopfschmerzen sind weitere bekannte Nebenwirkungen.

Wechselwirkungen

Kaliumsparende Diuretika, Kaliumsupplemente und Sartane (duale RAAS-Blockade) erhöhen das Risiko von Hyperkaliämie. NSAIDs reduzieren die blutdrucksenkende Wirkung und erhöhen das Risiko einer Nierenfunktionsverschlechterung. Lithiumspiegel können durch Perindopril erhöht werden. Aliskiren (direkter Renin-Inhibitor) ist in Kombination mit ACE-Hemmern bei Diabetikern kontraindiziert. Antidiabetika: ACE-Hemmer können die Insulinempfindlichkeit verbessern und das Hypoglykämierisiko erhöhen.

Besondere Hinweise

Perindopril ist verschreibungspflichtig und in der Schwangerschaft kontraindiziert (fetotoxisch, besonders im 2. und 3. Trimenon). Vor Therapiebeginn und regelmäßig danach sollten Nierenfunktionswerte und Kalium kontrolliert werden. Bei Patienten mit bilateraler Nierenarterienstenose oder Nierenarterienstenose einer Einzelniere ist Perindopril kontraindiziert. Patienten mit erblichem oder idiopathischem Angioödem sollten keine ACE-Hemmer erhalten.

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Häufig gestellte Fragen

Warum verursachen ACE-Hemmer Husten?

ACE-Hemmer blockieren nicht nur die Bildung von Angiotensin II, sondern hemmen auch den Abbau von Bradykinin. Bradykinin reichert sich in der Lunge an und stimuliert dort Hustenrezeptoren. Dieser trockene Reizhusten ist ein Klasseneffekt aller ACE-Hemmer und verschwindet nach dem Absetzen. Sartane (wie Losartan) haben diesen Effekt nicht.

Was ist ein Angioödem und warum ist es gefährlich?

Ein Angioödem ist eine plötzliche, schmerzlose Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge, Kehlkopf oder Darm, verursacht durch Bradykinin-Akkumulation. Am gefährlichsten ist das Kehlkopf-Angioödem, das zur Erstickung führen kann. Bei ACE-Hemmer-assoziiertem Angioödem muss das Medikament sofort und dauerhaft abgesetzt werden.

Warum müssen Nierenwerte bei ACE-Hemmern kontrolliert werden?

ACE-Hemmer dilatieren efferente Nierenarteriolen und können bei Patienten mit eingeschränkter Nierendurchblutung (z.B. Nierenarterienstenose, Herzinsuffizienz, Volumenmangel) zu einem Anstieg von Kreatinin und Hyperkaliämie führen. Routinemäßige Laborkontrollen nach Therapiebeginn und bei Dosisänderungen sind daher wichtig.

Quellen

  • Fox KM: EUROPA Study Group. Lancet 2003
  • ESC-Leitlinie Herzinsuffizienz 2023
  • Fachinformation Coversyl (Perindopril), aktueller Stand