Losartan: Wirkung bei Bluthochdruck und Herzerkrankungen

Losartan war 1995 der erste zugelassene Angiotensin-II-Rezeptorantagonist (ARB, Sartane) und ist heute einer der am häufigsten verordneten Blutdrucksenkenden Wirkstoffe weltweit. Losartan blockiert selektiv den Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor (AT1R) und unterbricht damit die blutdrucksteigernden und gefäßschädigenden Effekte von Angiotensin II, ohne das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) proximal zu hemmen.

Im Vergleich zu ACE-Hemmern hat Losartan den Vorteil, keinen Reizhusten zu verursachen, da es den Bradykinin-Abbau nicht beeinträchtigt. Losartan ist generisch und kostengünstig verfügbar und hat nachgewiesene kardioprotektive sowie nephroprotektive Eigenschaften, die über die reine Blutdrucksenkung hinausgehen.

Wirkmechanismus

Angiotensin II ist das zentrale Effektorhormon des RAAS und wirkt über AT1-Rezeptoren vasokonstriktorisch, aldosteronstimulierend (Natrium- und Wasserretention) und proliferativ auf Gefäßwände und Herzmuskelzellen. Losartan blockiert kompetitiv den AT1-Rezeptor und verhindert damit die blutdrucksteigernde Wirkung von Angiotensin II. Der aktive Metabolit EXP3174 ist deutlich potenter als Losartan selbst und verantwortlich für den Großteil der Blutdrucksenkung. Der fehlende Eingriff in den Bradykinin-Metabolismus erklärt, warum Sartane im Gegensatz zu ACE-Hemmern keinen Reizhusten verursachen.

Anwendungsgebiete

Losartan ist zugelassen für die Behandlung der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck), für die Behandlung der Herzinsuffizienz bei Patienten, die ACE-Hemmer nicht vertragen, sowie für die Nephroprotektion bei Typ-2-Diabetikern mit Proteinurie und Hypertonie (zur Verlangsamung der diabetischen Nephropathie). In der LIFE-Studie zeigte Losartan gegenüber Atenolol zusätzliche Vorteile bei der Schlaganfall-Prävention bei hypertensiven Patienten mit linksventrikulärer Hypertrophie. Die Harnausscheidung von Harnsäure wird durch Losartan erhöht (urikosurischer Effekt), was bei gleichzeitiger Gicht einen Zusatznutzen bietet.

Dosierung und Einnahme

Die initiale Tagesdosis beträgt 50 mg einmal täglich. Bei Bedarf kann auf 100 mg täglich erhöht werden. Bei gleichzeitiger Diuretikatherapie oder Volumendepletion sollte mit 25 mg begonnen werden. Losartan kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Leberinsuffizienz ist Dosisreduktion erforderlich (50 mg als Maximaldosis), da Losartan hepatisch zum aktiven Metaboliten EXP3174 umgewandelt wird. Bei Niereninsuffizienz ist im Allgemeinen keine Dosisanpassung nötig.

Nebenwirkungen

Losartan wird insgesamt gut vertragen. Der fehlende Reizhusten (im Gegensatz zu ACE-Hemmern) ist ein wesentlicher Vorteil. Schwindel und Hypotonie, besonders orthostatisch, treten zu Therapiebeginn auf. Hyperkaliämie kann insbesondere bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Diabetes oder bei gleichzeitiger Einnahme von Kalium sparenden Diuretika auftreten. Angioödem (durch Bradykinin-unabhängige Mechanismen) ist sehr selten, kann aber auch bei Sartanen vorkommen. Im Vergleich zu Plazebo ist die Nebenwirkungsrate gering.

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von ACE-Hemmern und Sartanen (duale RAAS-Blockade) erhöht das Risiko von Hyperkaliämie, Nierenversagen und Hypotonie erheblich und ist in den meisten Indikationen kontraindiziert. Kalium sparende Diuretika (Spironolacton, Eplerenon) und Kalium-Supplemente erhöhen das Hyperkaliämierisiko. NSAIDs (Ibuprofen, Naproxen) reduzieren die blutdrucksenkende Wirkung von Losartan und erhöhen das Risiko einer Nierenfunktionsverschlechterung. Lithium-Spiegel können durch Losartan erhöht werden.

Besondere Hinweise

Losartan ist verschreibungspflichtig und in der Schwangerschaft kontraindiziert. Angiotensin-II-Rezeptorblocker sind fetotoxisch, insbesondere im zweiten und dritten Trimenon, und können zu Nierenversagen, Oligohydramnion und fetaler Hypotension führen. Zu Therapiebeginn und bei Dosisanpassung sollten Blutdruck, Nierenfunktionswerte und Kalium kontrolliert werden. Patienten mit beidseitiger Nierenarterienstenose sollten Losartan nicht erhalten.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Losartan und ACE-Hemmern wie Ramipril?

ACE-Hemmer blockieren das Angiotensin-Converting-Enzyme und verhindern so die Bildung von Angiotensin II. Sartane wie Losartan blockieren nicht die Bildung, sondern die Wirkung von Angiotensin II am AT1-Rezeptor. Der wichtigste praktische Unterschied: ACE-Hemmer hemmen auch den Bradykinin-Abbau, was bei 10 bis 15 Prozent der Patienten Reizhusten verursacht. Sartane verursachen keinen Husten.

Warum hilft Losartan auch gegen Gicht?

Losartan hat einen urikosurischen Nebeneffekt: Es hemmt den URAT1-Transporter in der Niere, der Harnsäure rückresorbiert, und fördert so die Ausscheidung von Harnsäure im Urin. Dieser Effekt ist einzigartig unter den Sartanen und kann bei Patienten mit gleichzeitigem Bluthochdruck und Gicht vorteilhaft sein.

Darf Losartan mit Ibuprofen kombiniert werden?

Die Kombination ist möglich, sollte aber mit Vorsicht erfolgen. NSAIDs wie Ibuprofen reduzieren die blutdrucksenkende Wirkung von Losartan und können bei Risikopatienten (ältere Patienten, eingeschränkte Nierenfunktion, Herzinsuffizienz) zu akutem Nierenversagen führen. Bei längerer Einnahme beider Substanzen sind regelmäßige Kontrollen von Nierenfunktion und Blutdruck sinnvoll.

Quellen

  • ESC-Leitlinie Arterielle Hypertonie 2023
  • Brenner BM et al: RENAAL Study. N Engl J Med 2001
  • Fachinformation Losartan Ratiopharm, aktueller Stand