Rasagilin: Wirkung, Anwendungsgebiete und Hinweise

Rasagilin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer), der zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt wird. Der Wirkstoff steht seit den frühen 2000er Jahren zur Verfügung und ist sowohl als Monotherapie in frühen Krankheitsphasen als auch als Ergänzung zu Levodopa in fortgeschritteneren Stadien zugelassen. Rasagilin gehört zu den am besten untersuchten Wirkstoffen in der modernen Parkinson-Therapie.

Die Parkinson-Krankheit entsteht durch den fortschreitenden Verlust dopaminerger Nervenzellen in der Substantia nigra des Gehirns. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff für die Steuerung von Bewegungsabläufen. Rasagilin setzt an einem zentralen Abbauweg von Dopamin an und erhöht dadurch die verfügbare Dopaminmenge im Gehirn.

Wirkweise von Rasagilin

Rasagilin hemmt selektiv und irreversibel das Enzym Monoaminooxidase B (MAO-B). MAO-B ist eines der wichtigsten Enzyme, das Dopamin im Gehirn abbaut. Durch die Hemmung dieses Enzyms wird der Dopamin-Abbau verlangsamt, sodass mehr Dopamin an den synaptischen Verbindungen zur Verfügung steht. Dies führt zu einer Verbesserung der dopaminergen Signalübertragung in den motorischen Regelkreisen des Gehirns.

Da Rasagilin MAO-B irreversibel hemmt, hält die Wirkung auch nach Absetzen des Wirkstoffs an, bis neue MAO-B-Moleküle vom Körper synthetisiert werden. Dies erklärt, warum Rasagilin einmal täglich eingenommen wird und eine gleichmäßige Wirkung über 24 Stunden erzielt. Im Vergleich zu reversiblen MAO-B-Hemmern ist der Wirkungseintritt stabiler und die Dosistitration einfacher.

Rasagilin unterscheidet sich chemisch und pharmakologisch von älteren MAO-Hemmern wie Selegilin und zeigt eine höhere Selektivität für MAO-B gegenüber MAO-A. Dies ist klinisch bedeutsam, da eine Hemmung von MAO-A zu sogenannten tyraminhaltigen Lebensmittelwechselwirkungen (Käse-Effekt) führen kann, was bei selektiven MAO-B-Hemmern in therapeutischen Dosen weitgehend nicht der Fall ist.

Anwendungsgebiete

Monotherapie bei früher Parkinson-Krankheit

In frühen Stadien der Parkinson-Krankheit kann Rasagilin als Monotherapie eingesetzt werden, wenn die Symptome noch moderat sind und eine Levodopa-Therapie noch nicht erforderlich ist. In dieser Phase kann Rasagilin motorische Symptome wie Tremor, Rigor und Bradykinese günstig beeinflussen. Es bietet den Vorteil, dass es die Levodopa-Therapie hinauszögern kann, was im Hinblick auf spätere Levodopa-assoziierte Komplikationen vorteilhaft sein kann.

Kombinationstherapie mit Levodopa

In fortgeschritteneren Stadien der Parkinson-Krankheit wird Rasagilin häufig als Ergänzung zu Levodopa eingesetzt. In dieser Kombination kann Rasagilin die sogenannten Wearing-off-Phänomene reduzieren. Wearing-off bezeichnet das Nachlassen der Levodopa-Wirkung gegen Ende eines Dosierungsintervalls, bevor die nächste Dosis eingenommen wird. Durch die verlängerte Dopamin-Verfügbarkeit dank MAO-B-Hemmung können diese Phasen verkürzt und die motorische Kontrolle verbessert werden.

Nichtmotorische Symptome

Neuere Untersuchungen zeigen, dass Rasagilin möglicherweise auch positive Effekte auf nichtmotorische Symptome der Parkinson-Krankheit haben kann, darunter Schlafstörungen und bestimmte kognitive Beeinträchtigungen. Diese Aspekte sind Gegenstand laufender Forschung und spielen in der individualisierten Therapieplanung eine zunehmende Rolle.

Darreichungsform und Dosierung

Rasagilin steht als Tabletten zur oralen Einnahme zur Verfügung. Die übliche Dosierung beträgt 1 mg einmal täglich, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Einnahme kann zu einem beliebigen Tageszeit erfolgen, sollte aber täglich zur gleichen Zeit erfolgen, um eine gleichmäßige Wirkstoffkonzentration sicherzustellen. Bei Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung kann eine Dosisanpassung notwendig sein. Bei mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung ist Rasagilin kontraindiziert.

Hinweise zur Anwendung

Bei der Kombination von Rasagilin mit anderen Wirkstoffen sind einige wichtige Punkte zu beachten. Bestimmte Antidepressiva, insbesondere solche, die die Serotonin-Rückresorption hemmen (SSRI, SNRI) oder Serotonin-Vorstufen wie Tryptophan enthalten, können in Kombination mit MAO-Hemmern ein sogenanntes Serotonin-Syndrom auslösen. Dieses kann sich durch Unruhe, Muskelzuckungen, Schwitzen und in schweren Fällen durch lebensbedrohliche Symptome äußern. Ärztliche Rücksprache vor der gleichzeitigen Einnahme solcher Wirkstoffe ist unbedingt erforderlich.

Auch bestimmte Schmerzmittel wie Tramadol, Meperidin und einige andere Opioide können in Kombination mit MAO-Hemmern problematisch sein. Der behandelnde Arzt sollte stets über alle eingenommenen Medikamente einschließlich rezeptfreier Präparate informiert werden.

Bei der Parkinson-Krankheit ist regelmäßige neurologische Nachsorge wichtig, um den Therapieerfolg zu beurteilen und die Therapie bei Bedarf anzupassen. Da es sich um eine fortschreitende Erkrankung handelt, verändern sich die therapeutischen Anforderungen im Laufe der Zeit.

Unerwünschte Wirkungen

Rasagilin wird von den meisten Patienten gut vertragen. Mögliche unerwünschte Wirkungen umfassen:

  • Kopfschmerzen, insbesondere zu Beginn der Therapie
  • Grippeähnliche Beschwerden wie Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Schwindel und Benommenheit, insbesondere beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie)
  • Übelkeit und Magenbeschwerden, meist zu Beginn der Therapie und vorübergehend
  • Bei Kombination mit Levodopa: verstärkte Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) möglich
  • Schlafstörungen oder lebhafte Träume in Einzelfällen

Wechselwirkungen

Neben den bereits genannten Wechselwirkungen mit Antidepressiva und bestimmten Opioiden sind weitere Interaktionen bekannt. Ciprofloxacin, ein Antibiotikum aus der Gruppe der Fluorchinolone, kann den Rasagilin-Spiegel im Blut deutlich erhöhen, da es denselben Abbaupfad in der Leber (CYP1A2) hemmt. In Kombination mit Ciprofloxacin kann eine Dosisreduktion von Rasagilin erforderlich sein. Rauchen hingegen beschleunigt den Abbau von Rasagilin über CYP1A2 und kann die Wirksamkeit verringern.

Rasagilin auf Sanoliste

Auf Sanoliste finden Sie Neurologinnen und Neurologen, die auf Bewegungsstörungen und die Parkinson-Erkrankung spezialisiert sind. Eine fachgerechte neurologische Diagnostik ist der erste Schritt für eine individuell abgestimmte Therapieplanung. Die Parkinson-Krankheit erfordert eine kontinuierliche, fachärztlich begleitete Behandlung, die im Verlauf an die sich verändernden Bedürfnisse angepasst wird.

Die Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Sie ersetzen nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Rasagilin ist verschreibungspflichtig und darf nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden.

Häufige Fragen zu Rasagilin

Kann Rasagilin die Parkinson-Krankheit aufhalten?

Rasagilin ist zugelassen zur symptomatischen Behandlung der Parkinson-Krankheit. Die Frage, ob Rasagilin neuroprotektive Effekte besitzt und den Krankheitsverlauf verlangsamt, wurde in klinischen Studien untersucht, lieferte jedoch keine eindeutigen Belege. Die ADAGIO-Studie legte Hinweise auf eine mögliche krankheitsmodifizierende Wirkung nahe, konnte diese aber nicht abschließend beweisen. Rasagilin wird daher primär als symptomatisches Medikament betrachtet, das die Lebensqualität von Parkinson-Patientinnen und -Patienten verbessern kann.

Was ist der Unterschied zwischen Rasagilin und Selegilin?

Beide Wirkstoffe gehören zur Gruppe der selektiven MAO-B-Hemmer. Rasagilin ist eine neuere Entwicklung mit höherer MAO-B-Selektivität als Selegilin. Selegilin wird im Körper zu Metaboliten abgebaut, darunter Amphetamin-Verbindungen, die möglicherweise unerwünschte Wirkungen wie Schlafstörungen verursachen können. Rasagilin hat diesen Nachteil nicht. Die Dosierung von Rasagilin ist einfacher: einmal täglich 1 mg, während Selegilin mehrfach täglich eingenommen werden muss. Welcher Wirkstoff besser geeignet ist, entscheidet der behandelnde Neurologe individuell.

Muss ich bei Rasagilin bestimmte Lebensmittel meiden?

Nicht-selektive MAO-Hemmer erfordern strikte Diätauflagen, da tyraminhaltige Lebensmittel wie gereifter Käse, Rotwein oder fermentierte Produkte zu gefährlichen Blutdruckanstiegen führen können. Bei Rasagilin als selektivem MAO-B-Hemmer sind diese Einschränkungen in therapeutischen Dosen in der Regel nicht erforderlich. Dennoch empfehlen manche Leitlinien, übermäßig hohe Mengen tyraminhaltiger Lebensmittel zu meiden. Der behandelnde Arzt oder die Ärztin gibt hierzu individuelle Empfehlungen.