Revolade: Markenname von Eltrombopag, Thrombopoietin Rezeptor Agonist

Revolade (in den USA Promacta) ist der Handelsname des Wirkstoffs Eltrombopag, eines oralen, kleinmolekularen Thrombopoietin Rezeptor Agonisten. Eltrombopag wurde 2010 in der Europäischen Union zur Behandlung der chronischen Immunthrombozytopenie (ITP) bei Erwachsenen zugelassen, später erweitert um pädiatrische ITP, schwere aplastische Anämie (refraktär oder als Erstlinie zusammen mit Immunsuppression) und chronische Thrombozytopenie bei Hepatitis C assoziierter Lebererkrankung.

Revolade ist eine bedeutende Innovation in der Hämatologie, weil es die Plättchenproduktion ohne immunsuppressive Effekte stimuliert. Das war ein Paradigmenwechsel weg von Glukokortikoiden, Splenektomie und Rituximab als ITP Therapie hin zu einer gezielten Thrombopoetin Mimetik. Romiplostim (Nplate) ist ein vergleichbarer Wirkstoff zur subkutanen Anwendung, beide gehören heute zur ersten oder zweiten Therapielinie der chronischen ITP.

Wirkmechanismus

Endogenes Thrombopoietin (TPO) ist das wichtigste Zytokin der Megakaryopoese und stimuliert über den TPO Rezeptor (c MPL, MPL Rezeptor) auf hämatopoetischen Stamm und Progenitorzellen sowie Megakaryozyten die Reifung und Plättchenproduktion. Eltrombopag bindet an die transmembrane Domäne des TPO Rezeptors an einer anderen Stelle als TPO selbst (allosterischer Effekt), aktiviert ihn aber funktionell.

Im Unterschied zu rekombinanten TPO Analoga, die durch Antikörperbildung in den ersten klinischen Versuchen gescheitert sind, ist Eltrombopag ein synthetisches kleines Molekül ohne Risiko der TPO Antikörperbildung. Die Aktivierung des TPO Rezeptors triggert die JAK STAT, MAPK und PI3K Signalkaskaden in den Megakaryozyten, was zur vermehrten Plättchenbildung führt. Erste Plättchenanstiege sind nach etwa 1 bis 2 Wochen messbar.

Pharmakokinetisch wird Eltrombopag oral gut resorbiert (Bioverfügbarkeit etwa 50 Prozent), die Resorption wird allerdings durch Calcium, Eisen, Magnesium und Aluminium in Nahrung oder Antazida deutlich reduziert. Halbwertszeit etwa 30 Stunden, Eliminierung über Galle und Stuhl.

Anwendungsgebiete

  • Chronische Immunthrombozytopenie (ITP) bei Erwachsenen: nach unzureichendem Ansprechen auf Glukokortikoide, Immunglobuline oder Splenektomie
  • Pädiatrische ITP ab 1 Jahr: chronische Verlaufsformen mit anhaltend niedrigen Plättchen
  • Schwere aplastische Anämie (SAA): als Erstlinientherapie zusammen mit ATG/Cyclosporin (RACE Studie) oder bei refraktärem Verlauf
  • Hepatitis C assoziierte chronische Thrombozytopenie: zur Ermöglichung einer Interferon basierten antiviralen Therapie (heute weniger relevant durch direkt antivirale Wirkstoffe)

Dosierung und Einnahme

ITP Erwachsene: Initialdosis 50 mg einmal täglich (25 mg bei ostasiatischer Abstammung wegen erhöhter Spiegel). Anpassung nach Plättchenzahl in 25 mg Schritten alle 2 Wochen, Ziel 50.000 bis 200.000/Mikroliter. Maximaldosis 75 mg täglich.

Aplastische Anämie: Initialdosis 50 mg täglich, Steigerung bis auf 150 mg täglich nach Bedarf, mehrere Monate Therapie für hämatologisches Ansprechen. Bei Leberinsuffizienz: Initialdosis 25 mg, langsame Anpassung wegen reduzierter Clearance.

Einnahme: auf nüchternen Magen, mindestens 2 Stunden vor oder 4 Stunden nach Mahlzeiten oder Wirkstoffen mit polyvalenten Kationen (Antazida, Calcium, Eisen). Die Einhaltung dieses Abstands ist klinisch wichtig, sonst sinkt die Bioverfügbarkeit erheblich.

Nebenwirkungen

Häufig: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Anstieg der Lebertransaminasen, Müdigkeit, Augenmuskel und Sehstörungen, periphere Ödeme, Myalgie.

Schwerwiegend: Hepatotoxizität bis hin zum hepatozellulären Schaden, thromboembolische Ereignisse (Lungenembolie, tiefe Beinvenenthrombose, vor allem bei Plättchen über Zielwert), Kataraktbildung bei Langzeitanwendung, Knochenmarksfibrose (Reticulin Faserbildung) bei Langzeittherapie, hämorrhagische Ereignisse bei abruptem Absetzen mit Plättchen Rebound nach unten.

Wichtig: Patientinnen und Patienten benötigen regelmäßiges Blutbild und Lebertransaminasen, mindestens monatlich in der Anfangsphase. Bei Zeichen von Hepatotoxizität (Ikterus, dunkler Urin, abdominale Schmerzen) sofortiges Monitoring und Therapieanpassung.

Wechselwirkungen

  • Polyvalente Kationen (Calcium, Magnesium, Aluminium, Eisen, Zink) in Antazida, Multivitaminen oder Nahrungsmitteln: erhebliche Reduktion der Eltrombopag Resorption durch Chelatbildung; Einnahme im Abstand von 2 bis 4 Stunden
  • Statine (Rosuvastatin): erhöhte Statinspiegel durch Eltrombopag, Dosis halbieren oder anderes Statin
  • Lopinavir/Ritonavir und andere CYP/UGT modulierende HIV Therapien: Spiegelveränderungen möglich
  • Cyclosporin: reduzierte Eltrombopag Spiegel, Dosisanpassung erwägen
  • Methotrexat, Topotecan, Irinotecan und andere OATP1B1 Substrate: erhöhte Spiegel möglich

Besondere Hinweise

Schwangerschaft und Stillzeit: begrenzte Daten in der Schwangerschaft. Bei Anwendung sollte sichere Kontrazeption während und mindestens 7 Tage nach Therapieende erfolgen. In der Stillzeit nicht empfohlen.

Vor Therapiebeginn: Lebertransaminasen, Bilirubin, Kreatinin, Blutbild als Ausgangswert; Augenuntersuchung wegen Katarakt Risiko empfohlen.

Monitoring: Plättchen wöchentlich bis stabil, dann monatlich. Lebertransaminasen alle 2 Wochen während der Aufdosierung, dann monatlich. Bei Plättchen über 200.000/Mikroliter Dosisreduktion, bei Plättchen über 400.000/Mikroliter Therapiepause wegen Thromboserisiko.

Absetzen: Eltrombopag muss schrittweise reduziert werden, abruptes Absetzen kann zu Reboundthrombozytopenie mit Blutungsgefahr führen. Regelmäßige Plättchenkontrollen für mindestens 4 Wochen nach Therapieende.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Revolade und was Eltrombopag?

Revolade ist der Handelsname von Novartis (in den USA Promacta), Eltrombopag ist der Wirkstoff. Beide bezeichnen dasselbe Medikament. Generika sind in einigen Ländern bereits verfügbar.

Warum darf ich vor und nach Revolade keine Milchprodukte oder Eisen nehmen?

Calcium, Magnesium, Eisen und Aluminium bilden mit Eltrombopag Chelate, die nicht resorbiert werden. Die Bioverfügbarkeit kann um bis zu 70 Prozent sinken. Ein Abstand von mindestens 2 Stunden vor und 4 Stunden nach jeder Einnahme von Antazida, Milchprodukten, Multivitaminen mit Mineralstoffen oder Eisen Präparaten ist daher zwingend.

Wie schnell steigen meine Thrombozyten?

Erste Plättchenanstiege sind meist nach 1 bis 2 Wochen messbar, das maximale Ansprechen tritt nach 4 bis 6 Wochen ein. Bei aplastischer Anämie kann das hämatologische Ansprechen mehrere Monate dauern. Wichtig ist das engmaschige Plättchenmonitoring zur Dosisanpassung.

Was tun bei Therapieende?

Eltrombopag wird in der Regel langfristig oder dauerhaft eingenommen, weil die Plättchen nach Absetzen meist wieder fallen. Bei klinischer Remission kann ein Auslassversuch unter engmaschiger Plättchenkontrolle erfolgen. Eine schrittweise Reduktion ist Standard, abruptes Absetzen erhöht das Blutungsrisiko.

Quellen

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