Arbeitsunfähigkeit

Definition

Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn eine versicherte Person aufgrund von Krankheit ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlimmerung ausüben kann. Maßgeblich ist die konkrete Tätigkeit, nicht ein allgemeiner Gesundheitszustand.

Daraus folgt ein häufig übersehener Punkt: Dieselbe Erkrankung kann bei einer Tätigkeit Arbeitsunfähigkeit begründen und bei einer anderen nicht. Eine Handverletzung ist im Handwerk anders zu beurteilen als im Büro.

Arbeitsunfähigkeit ist zudem kein Zustand mit fester Dauer. Sie wird für einen absehbaren Zeitraum festgestellt und bei Bedarf verlängert.

Rechtliche Grundlagen

Die Feststellung richtet sich nach der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Sie legt fest, wann und wie Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen ist.

Nach § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz sind Beschäftigte verpflichtet, Arbeitsunfähigkeit und ihre voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Diese Mitteilung ist von der ärztlichen Feststellung zu unterscheiden und bleibt Aufgabe der beschäftigten Person.

Eine ärztliche Bescheinigung ist gesetzlich ab dem vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit vorzulegen. Der Arbeitgeber kann sie jedoch früher verlangen, auch ab dem ersten Tag, ohne dies begründen zu müssen.

Seit 2023 ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verpflichtend. Die Praxis übermittelt die Daten an die Krankenkasse, der Arbeitgeber ruft sie dort ab. Die frühere Papierbescheinigung für den Arbeitgeber entfällt damit für gesetzlich Versicherte.

Die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber beträgt nach § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz bis zu sechs Wochen. Danach kommt Krankengeld in Betracht.

Eine telefonische Feststellung ist seit Ende 2023 dauerhaft möglich, allerdings nur bei in der Praxis bekannten Personen, ohne schwere Symptome und für einen begrenzten Zeitraum von wenigen Tagen.

Bedeutung in der Praxis

Die Mitteilungspflicht bleibt trotz der elektronischen Übermittlung bestehen. Wer sich darauf verlässt, dass der Arbeitgeber die Daten schon abrufen wird, verletzt seine Pflicht und riskiert arbeitsrechtliche Folgen.

Für die eigene Absicherung empfiehlt sich der Ausdruck für die Versicherte oder den Versicherten, den die Praxis weiterhin ausstellt. Er dient als Nachweis, falls die elektronische Übermittlung fehlschlägt.

Bei privat Versicherten und in bestimmten Beschäftigungsverhältnissen, etwa in Privathaushalten, gilt das elektronische Verfahren nicht. Dort bleibt es bei der Bescheinigung in Papierform.

Für den Anspruch auf Krankengeld ist die lückenlose Feststellung entscheidend. Die Folgebescheinigung sollte spätestens am nächsten Werktag nach dem letzten bescheinigten Tag erfolgen. Eine Lücke kann den Anspruch beenden.

Arbeitsunfähigkeit bedeutet kein Ausgehverbot. Zulässig ist alles, was der Genesung nicht schadet. Verhalten, das die Genesung verzögert, kann dagegen arbeitsrechtliche Folgen haben.

Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit kann der Arbeitgeber über die Krankenkasse prüfen lassen. Die Begutachtung übernimmt der Medizinische Dienst, nicht der Arbeitgeber selbst.

Abgrenzung und verwandte Begriffe

Die Erwerbsminderung beurteilt, ob überhaupt noch eine Erwerbstätigkeit möglich ist, unabhängig vom bisherigen Beruf. Sie wird von der Rentenversicherung geprüft.

Die Berufsunfähigkeit ist ein Begriff aus privaten Versicherungsverträgen und richtet sich nach deren Bedingungen.

Die Dienstunfähigkeit betrifft Beamtinnen und Beamte und folgt dem Beamtenrecht, beurteilt wird sie amtsärztlich.

Verwandte Begriffe: Krankengeld, stufenweise Wiedereingliederung, Amtsarzt.

Häufige Fragen (FAQ)

Ab wann brauche ich eine Krankschreibung? Gesetzlich ab dem vierten Tag. Der Arbeitgeber kann sie jedoch früher verlangen, auch ab dem ersten Tag, ohne dies begründen zu müssen. Maßgeblich ist der Arbeits- oder Tarifvertrag.

Muss ich mich trotz eAU beim Arbeitgeber melden? Ja. Die Pflicht, Arbeitsunfähigkeit und voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen, bleibt bestehen. Die elektronische Übermittlung betrifft nur die ärztliche Bescheinigung, nicht Ihre Meldung.

Ist telefonische Krankschreibung möglich? Seit Ende 2023 dauerhaft, allerdings nur bei in der Praxis bekannten Personen, ohne schwere Symptome und für einen begrenzten Zeitraum von wenigen Tagen.

Darf ich krankgeschrieben das Haus verlassen? Ja. Arbeitsunfähigkeit bedeutet kein Ausgehverbot. Zulässig ist alles, was der Genesung nicht schadet. Verhalten, das die Genesung verzögert, kann dagegen arbeitsrechtliche Folgen haben.

Warum ist die lückenlose Krankschreibung wichtig? Weil der Krankengeldanspruch daran hängt. Die Folgebescheinigung sollte spätestens am nächsten Werktag nach dem letzten bescheinigten Tag erfolgen. Eine Lücke kann den Anspruch beenden.

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