Triage

Definition

Triage bezeichnet die systematische Einschätzung der Behandlungsdringlichkeit. In der Notaufnahme legt sie fest, in welcher Reihenfolge Patientinnen und Patienten versorgt werden. Maßgeblich ist allein, wie zeitkritisch der Zustand ist.

Der Begriff stammt aus dem Französischen und bedeutet Sichtung oder Auswahl. Im Alltag der Notaufnahme wird häufiger von Ersteinschätzung gesprochen, weil Triage in der öffentlichen Diskussion mit Katastrophenlagen verbunden wird.

Diese Verbindung führt regelmäßig zu Missverständnissen. Die alltägliche Ersteinschätzung entscheidet über die Reihenfolge, nicht darüber, ob jemand behandelt wird. Es wird niemandem eine Behandlung vorenthalten.

Rechtliche Grundlagen

Nach § 120 Absatz 3b Sozialgesetzbuch Fünftes Buch ist ein standardisiertes Ersteinschätzungsverfahren vorgesehen. Es soll bundesweit einheitliche Kriterien für die Beurteilung der Dringlichkeit schaffen.

Vorgaben zur Struktur der Notaufnahmen ergeben sich aus dem Notfallstufenkonzept des Gemeinsamen Bundesausschusses nach § 136c.

Die Einschätzung erfolgt in der Regel durch besonders geschultes Pflegepersonal. Sie ersetzt keine ärztliche Diagnose, sondern legt fest, wie schnell diese erfolgen muss.

Eine Ersteinschätzung ist regelmäßig zu wiederholen. Verschlechtert sich der Zustand während der Wartezeit, ist neu einzustufen. Deshalb sollten Betroffene und Begleitpersonen eine Verschlechterung sofort melden.

Bedeutung in der Praxis

Verbreitet ist das Manchester-Triage-System mit fünf Stufen, die jeweils eine maximale Wartezeit bis zum ersten Arztkontakt vorsehen:

  • rot: sofortige Behandlung, unmittelbar lebensbedrohlich
  • orange: sehr dringend, Behandlung innerhalb weniger Minuten
  • gelb: dringend, Behandlung innerhalb etwa einer halben Stunde
  • grün: normal, Behandlung innerhalb etwa anderthalb Stunden
  • blau: nicht dringend, Behandlung innerhalb etwa zwei Stunden

Daneben ist der Emergency Severity Index gebräuchlich, der zusätzlich den zu erwartenden Ressourcenbedarf einbezieht. Beide Systeme führen zu ähnlichen Ergebnissen und sind wissenschaftlich geprüft.

Die Einstufung folgt festen Kriterien, nicht dem Eindruck. Ausschlaggebend sind Leitsymptom, Vitalwerte wie Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz, Bewusstseinslage und Schmerzstärke.

Für Betroffene ist wichtig zu wissen, dass eine niedrige Dringlichkeitsstufe nicht bedeutet, die Beschwerden würden nicht ernst genommen. Sie bedeutet, dass keine unmittelbare Gefahr besteht, wenn die Behandlung etwas später beginnt.

Wichtig für Begleitpersonen ist, bei der Anmeldung die entscheidenden Angaben knapp zu nennen: seit wann die Beschwerden bestehen, wie sie begonnen haben, welche Vorerkrankungen vorliegen und welche Arzneimittel eingenommen werden. Diese Angaben fließen unmittelbar in die Einstufung ein.

Die Sichtung im Katastrophenfall ist etwas grundlegend anderes. Sie greift nur, wenn die Zahl der Betroffenen die verfügbaren Mittel übersteigt, und ordnet nach Überlebenswahrscheinlichkeit. Diese Situation ist die absolute Ausnahme und von der alltäglichen Ersteinschätzung strikt zu trennen.

Abgrenzung und verwandte Begriffe

Die Sichtung im Massenanfall von Verletzten ordnet nach Sichtungskategorien und kommt nur zum Einsatz, wenn die Mittel nicht für alle gleichzeitig reichen.

Die Diagnose klärt die Ursache der Beschwerden. Die Ersteinschätzung beurteilt nur die zeitliche Dringlichkeit.

Die Abrechnungsrelevanz spielt bei der Einstufung keine Rolle. Sie richtet sich ausschließlich nach medizinischen Kriterien.

Verwandte Begriffe: Notaufnahme, Rettungsdienst, Sepsis.

Häufige Fragen (FAQ)

Entscheidet die Triage, ob ich behandelt werde? Nein, nur wann. Die alltägliche Ersteinschätzung legt die Reihenfolge fest. Behandelt werden alle. Eine Auswahl nach Überlebenswahrscheinlichkeit findet ausschließlich in Katastrophenlagen statt, in denen die Mittel nicht für alle reichen.

Was bedeuten die Farben? Im Manchester-Triage-System steht Rot für sofort, Orange für sehr dringend, Gelb für dringend, Grün für normal und Blau für nicht dringend. Jeder Stufe ist eine maximale Wartezeit bis zum ersten Arztkontakt zugeordnet.

Wer nimmt die Einschätzung vor? In der Regel besonders geschultes Pflegepersonal anhand festgelegter Kriterien wie Leitsymptom, Vitalwerten, Bewusstseinslage und Schmerzstärke. Eine ärztliche Diagnose ersetzt das nicht.

Was tun, wenn es mir während der Wartezeit schlechter geht? Sofort das Personal ansprechen. Die Einschätzung ist zu wiederholen, wenn sich der Zustand ändert. Eine Verschlechterung führt zu einer höheren Dringlichkeitsstufe.

Werden meine Beschwerden nicht ernst genommen, wenn ich grün bin? Doch. Die Einstufung sagt nur, dass keine unmittelbare Gefahr besteht, wenn die Behandlung etwas später beginnt. Über die Schwere der Beschwerden aus Ihrer Sicht sagt sie nichts.

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