Intensivmedizin
Definition
Die Intensivmedizin befasst sich mit der Überwachung und Behandlung von Menschen, deren lebenswichtige Funktionen bedroht oder ausgefallen sind. Kennzeichnend sind die kontinuierliche Überwachung und die Möglichkeit, Organfunktionen vorübergehend zu ersetzen.
Der Grundgedanke ist das Überbrücken. Intensivmedizin heilt in der Regel nicht selbst, sondern hält lebenswichtige Funktionen aufrecht, während die Ursache behandelt wird oder der Körper sich erholt.
Daraus folgt eine wichtige Konsequenz für Angehörige: Die entscheidende Frage ist meist nicht, ob eine Funktion ersetzt werden kann, sondern ob eine begründete Aussicht besteht, dass die Ursache behandelbar ist.
Rechtliche Grundlagen
Für die Personalausstattung gelten Pflegepersonaluntergrenzen auf Grundlage von § 137i Sozialgesetzbuch Fünftes Buch. Sie legen fest, wie viele Patientinnen und Patienten je Pflegekraft höchstens versorgt werden dürfen.
Jede Maßnahme setzt eine Einwilligung voraus. Ist die betroffene Person nicht einwilligungsfähig, entscheidet die bevollmächtigte oder betreuende Person auf Grundlage einer Patientenverfügung oder des mutmaßlichen Willens.
Nach § 1828 Bürgerliches Gesetzbuch haben behandelnde Ärztin oder Arzt und die vertretende Person den Willen gemeinsam festzustellen. Sind sie sich einig, ist keine Genehmigung des Betreuungsgerichts erforderlich. Bei Uneinigkeit über Maßnahmen mit erheblichem Risiko entscheidet das Gericht.
Die Erfassung nosokomialer Infektionen nach § 23 Infektionsschutzgesetz ist auf Intensivstationen besonders bedeutsam, weil dort das Risiko durch Beatmung und Gefäßzugänge erhöht ist.
Bedeutung in der Praxis
Typische Verfahren zum Ersatz oder zur Unterstützung von Organfunktionen:
- maschinelle Beatmung bei Versagen der Atmung
- Nierenersatzverfahren bei akutem Nierenversagen
- Kreislaufunterstützung durch Medikamente, die Blutdruck und Herzleistung stabilisieren
- extrakorporale Verfahren zur Übernahme von Lungen- oder Herzfunktion in ausgewählten Fällen
Ein Schwerpunkt der modernen Intensivmedizin liegt darauf, Folgeschäden der Behandlung selbst zu vermeiden. Dazu gehören die Vorbeugung und Behandlung von Verwirrtheitszuständen, eine möglichst geringe Sedierung, frühe Mobilisierung und die konsequente Beachtung des Schlaf-Wach-Rhythmus.
Nach einer intensivmedizinischen Behandlung können Beschwerden zurückbleiben, die als Post-Intensive-Care-Syndrom zusammengefasst werden: Muskelschwäche, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie psychische Belastungen bis hin zu Angst und posttraumatischen Symptomen. Auch Angehörige sind davon betroffen.
Für Angehörige ist ein regelmäßiges Gespräch mit dem Behandlungsteam wichtig. Hilfreich ist, eine feste Ansprechperson in der Familie zu benennen, Fragen aufzuschreiben und nach dem Behandlungsziel zu fragen, nicht nur nach einzelnen Werten.
Eine Therapiezieländerung bedeutet, dass von der lebensverlängernden auf eine lindernde Behandlung umgestellt wird. Sie ist kein Behandlungsabbruch, sondern eine Änderung des Ziels, wenn die ursprünglich angestrebte Besserung nicht mehr erreichbar erscheint. Häufig geht sie in eine palliative Versorgung über.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
Die Intermediate Care steht zwischen Normalstation und Intensivstation und bietet erweiterte Überwachung ohne vollständige Organersatzverfahren.
Der Aufwachraum dient der Überwachung nach einer Narkose und ist zeitlich eng begrenzt.
Die Beatmung in der außerklinischen Intensivpflege findet dauerhaft zu Hause oder in einer Wohngemeinschaft statt und folgt eigenen Regeln.
Verwandte Begriffe: Sepsis, Palliativversorgung, Patientenverfügung.
Häufige Fragen (FAQ)
Was bedeutet Therapiezieländerung? Die Umstellung von einer lebensverlängernden auf eine lindernde Behandlung, wenn die angestrebte Besserung nicht mehr erreichbar erscheint. Es ist kein Behandlungsabbruch, sondern eine Änderung des Ziels, häufig mit Übergang in die Palliativversorgung.
Wer entscheidet, wenn ich nicht ansprechbar bin? Die bevollmächtigte oder betreuende Person gemeinsam mit dem Behandlungsteam, auf Grundlage einer Patientenverfügung oder des mutmaßlichen Willens. Sind sich beide einig, ist keine gerichtliche Genehmigung erforderlich.
Was ist das Post-Intensive-Care-Syndrom? Beschwerden, die nach einer intensivmedizinischen Behandlung zurückbleiben können: Muskelschwäche, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie psychische Belastungen. Auch Angehörige können betroffen sein.
Warum wird heute weniger tief sediert? Weil tiefe Sedierung Verwirrtheitszustände, Muskelabbau und längere Beatmungsdauer begünstigt. Eine möglichst geringe Sedierung mit früher Mobilisierung verbessert nachweislich den Verlauf.
Wie kann ich als Angehöriger helfen? Eine feste Ansprechperson in der Familie benennen, Fragen aufschreiben, regelmäßige Gespräche mit dem Team suchen und nach dem Behandlungsziel fragen, nicht nur nach einzelnen Messwerten. Vertraute Stimmen und Gegenstände können zudem zur Orientierung beitragen.