Laborbefund
Definition
Der Laborbefund ist die schriftliche Mitteilung der Untersuchungsergebnisse. Er enthält je Parameter das Messergebnis, die Einheit, den zugehörigen Referenzbereich und eine Kennzeichnung von Abweichungen sowie Angaben zur Probe und zum untersuchenden Labor.
Der Befund ist ein Fachdokument und nicht als Selbstauskunft gedacht. Er teilt Messwerte mit, trifft aber in der Regel keine Aussage über deren Bedeutung im Einzelfall. Die Einordnung ist ärztliche Aufgabe.
Wer den Aufbau kennt, kann die eigenen Ergebnisse gleichwohl besser nachvollziehen und im Gespräch gezielter nachfragen. Das ersetzt die ärztliche Einordnung nicht, macht sie aber ergiebiger.
Rechtliche Grundlagen
Ein Anspruch auf Einsicht in die vollständige Patientenakte einschließlich der Befunde ergibt sich aus § 630g Bürgerliches Gesetzbuch. Auf Verlangen sind Abschriften auszuhändigen, die Kosten dafür können in Rechnung gestellt werden.
Die ärztliche Pflicht zur verständlichen Erläuterung folgt aus § 630c. Der Befund allein erfüllt diese Pflicht nicht.
Kritische Werte, die eine sofortige Reaktion erfordern, muss das Labor unverzüglich mitteilen, in der Regel telefonisch. Die Festlegung solcher Grenzwerte und der Meldeweg gehören zu den Vorgaben der Richtlinie der Bundesärztekammer.
Die Aufbewahrungsfrist für Befunde als Teil der Patientenakte beträgt grundsätzlich zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung, für einzelne Bereiche gelten längere Fristen.
Bedeutung in der Praxis
Übliche Bestandteile eines Befundes:
- Angaben zur untersuchten Person und zur einsendenden Stelle
- Entnahmezeitpunkt und Eingangszeitpunkt der Probe
- Parameterbezeichnung, Ergebnis und Einheit
- Referenzbereich des jeweiligen Labors
- Kennzeichnung von Abweichungen, häufig mit H für hoch und L für niedrig oder mit Pfeilen
- Hinweise auf Störgrößen wie Hämolyse oder Lipämie
- Kommentare der befundenden Person
Ein häufiger Stolperstein sind die Einheiten. Für denselben Parameter sind unterschiedliche Angaben gebräuchlich, etwa Milligramm pro Deziliter und Millimol pro Liter beim Blutzucker oder Cholesterin. Werte aus verschiedenen Quellen lassen sich ohne Umrechnung nicht vergleichen.
Der Kumulativbefund stellt die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen nebeneinander dar. Er ist für die Beurteilung meist wertvoller als ein Einzelbefund, weil er den Verlauf sichtbar macht.
Die Kennzeichnung einer Abweichung sagt zunächst nur, dass ein Wert außerhalb des Referenzbereichs liegt. Sie ist keine Bewertung. Bei Parametern mit therapeutischem Zielwert kann ein als unauffällig ausgewiesener Wert dennoch zu hoch sein.
Hinweise wie Hämolyse oder Lipämie sind ernst zu nehmen. Sie zeigen an, dass einzelne Werte durch die Beschaffenheit der Probe verfälscht sein können und gegebenenfalls eine neue Probe erforderlich ist.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
Der Arztbrief ordnet Befunde in den klinischen Zusammenhang ein und enthält Diagnose und Therapieempfehlung. Der Laborbefund liefert nur die Messwerte.
Ein Vorbefund ist ein früheres Ergebnis desselben Parameters. Der Vergleich mit ihm ist häufig aussagekräftiger als die Betrachtung des aktuellen Werts allein.
Der Schnelltest im Rahmen der patientennahen Sofortdiagnostik liefert ein Ergebnis, das mit dem Zentrallaborwert nicht immer unmittelbar vergleichbar ist.
Verwandte Begriffe: Referenzbereich, Präanalytik, elektronische Patientenakte.
Häufige Fragen (FAQ)
Was bedeuten H und L auf dem Befund? H steht für einen Wert oberhalb, L für einen Wert unterhalb des Referenzbereichs. Manche Labore verwenden stattdessen Pfeile. Die Kennzeichnung ist ein Hinweis auf die Abweichung, keine Bewertung ihrer Bedeutung.
Habe ich Anspruch auf eine Kopie meiner Befunde? Ja. Aus § 630g Bürgerliches Gesetzbuch folgt ein Anspruch auf Einsicht in die vollständige Patientenakte und auf Aushändigung von Abschriften. Die Kosten dafür können in Rechnung gestellt werden.
Warum stehen unterschiedliche Einheiten auf verschiedenen Befunden? Weil für denselben Parameter mehrere Einheiten gebräuchlich sind, etwa Milligramm pro Deziliter und Millimol pro Liter. Ohne Umrechnung lassen sich Werte aus verschiedenen Quellen nicht vergleichen.
Was ist ein Kumulativbefund? Eine Darstellung, die die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen nebeneinander zeigt. Sie macht den Verlauf sichtbar und ist für die Beurteilung meist aussagekräftiger als ein einzelner Befund.
Was bedeutet der Hinweis Hämolyse? Dass rote Blutkörperchen in der Probe zerstört wurden. Dadurch können einzelne Werte, insbesondere Kalium und LDH, falsch hoch ausfallen. Je nach Ausmaß ist eine neue Probe erforderlich.