Telematikinfrastruktur (TI)

Definition

Die Telematikinfrastruktur ist das geschlossene digitale Netz des deutschen Gesundheitswesens. Sie verbindet Praxen, Apotheken, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Krankenkassen und stellt die technische Grundlage für Anwendungen wie das E-Rezept und die elektronische Patientenakte bereit.

Anders als das offene Internet ist die Telematikinfrastruktur ein abgeschlossenes Netz. Der Zugang setzt eine eindeutige Identifizierung der beteiligten Einrichtungen und Personen voraus, umgesetzt über Chipkarten und Zertifikate.

Betrieben und verantwortet wird sie von der gematik, der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte. Sie legt die Spezifikationen fest und lässt Komponenten zu.

Rechtliche Grundlagen

Die Grundlagen stehen in den §§ 306 ff. Sozialgesetzbuch Fünftes Buch. Sie regeln Aufbau, Betrieb, Zuständigkeiten und die verpflichtenden Anwendungen.

Zum Zugang gehören mehrere Komponenten:

  • Konnektor: das Zugangsgerät der Einrichtung, das die Verbindung absichert
  • eHealth-Kartenterminal: zum Einlesen der Karten
  • SMC-B: die Institutionskarte, die eine Einrichtung als solche ausweist
  • eHBA: der elektronische Heilberufsausweis für die persönliche Signatur
  • elektronische Gesundheitskarte: auf Seiten der Versicherten

Für Vertragsärztinnen und Vertragsärzte besteht eine Anschlusspflicht. Wer nicht angeschlossen ist, muss Kürzungen der Vergütung hinnehmen. Ähnliche Regelungen gelten für weitere Leistungserbringergruppen.

Der elektronische Heilberufsausweis ist personengebunden und ermöglicht die qualifizierte elektronische Signatur. Er ist unter anderem für die Signatur von E-Rezepten erforderlich.

Bedeutung in der Praxis

Die wichtigsten Fachanwendungen:

  • Versichertenstammdatenmanagement: Abgleich und Aktualisierung der Versichertendaten beim Einlesen der Karte
  • E-Rezept: elektronische Verordnung
  • elektronische Patientenakte: versichertengeführte Sammlung von Dokumenten
  • Notfalldatenmanagement und elektronischer Medikationsplan
  • KIM: Kommunikation im Medizinwesen, ein gesicherter Nachrichtendienst für Arztbriefe und Befunde
  • TI-Messenger: abgesicherte Sofortnachrichten zwischen Leistungserbringern

KIM hat in der Praxis erhebliche Bedeutung, weil es die Übermittlung von Arztbriefen, Befunden und Abrechnungsunterlagen auf einem gesicherten Weg ermöglicht und das Fax ablösen soll.

Für Hersteller von Medizintechnik und Praxissoftware ist die Zulassung der Komponenten durch die gematik Voraussetzung für den Vertrieb. Das Verfahren umfasst funktionale Prüfungen und Sicherheitszertifizierungen.

Der häufigste Kritikpunkt aus der Versorgung sind Störungen. Fällt der Konnektor oder ein zentraler Dienst aus, lassen sich E-Rezepte nicht ausstellen und Karten nicht prüfen. Für solche Fälle bestehen Ersatzverfahren, die den Betrieb aufrechterhalten sollen.

Technisch findet ein Wandel statt: Der bisherige Hardware-Konnektor soll durch eine zentral betriebene Lösung ersetzt werden, bei der die Zugangsfunktion als Dienst bereitgestellt wird. Für Einrichtungen entfällt damit perspektivisch die Gerätehaltung vor Ort.

Ein weiterer Streitpunkt sind die Kosten. Anschaffung und Betrieb werden über Pauschalen finanziert, deren Höhe zwischen Kassen und Kassenärztlicher Vereinigung vereinbart wird und die aus Sicht vieler Praxen nicht kostendeckend sind.

Abgrenzung und verwandte Begriffe

Das Praxisverwaltungssystem ist die Software der Einrichtung. Es nutzt die Telematikinfrastruktur, ist aber nicht Teil von ihr.

Die elektronische Gesundheitskarte ist das Zugangsmedium der Versicherten und speichert nur wenige Daten selbst. Die Anwendungen liegen auf zentralen Diensten.

Ein reguläres Videosprechstundensystem läuft über das offene Internet und muss lediglich zertifiziert sein, es ist keine Anwendung der Telematikinfrastruktur.

Verwandte Begriffe: E-Rezept, elektronische Patientenakte, Gesetzliche Krankenversicherung.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist die Telematikinfrastruktur? Das geschlossene digitale Netz des deutschen Gesundheitswesens. Es verbindet Praxen, Apotheken, Krankenhäuser und Kassen und bildet die Grundlage für Anwendungen wie E-Rezept und elektronische Patientenakte.

Wer betreibt sie? Die gematik, die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte. Sie legt die Spezifikationen fest, lässt Komponenten zu und verantwortet den Betrieb der zentralen Dienste.

Ist der Anschluss verpflichtend? Für Vertragsärztinnen und Vertragsärzte ja. Wer nicht angeschlossen ist, muss Kürzungen der Vergütung hinnehmen. Vergleichbare Regelungen gelten für weitere Leistungserbringergruppen.

Was ist KIM? Kommunikation im Medizinwesen, ein gesicherter Nachrichtendienst innerhalb der Telematikinfrastruktur. Er dient der Übermittlung von Arztbriefen, Befunden und Abrechnungsunterlagen und soll das Fax ablösen.

Was passiert bei einer Störung? Für Ausfälle bestehen Ersatzverfahren, damit der Betrieb weiterlaufen kann. Können E-Rezepte nicht ausgestellt werden, ist übergangsweise ein Papierverfahren vorgesehen.

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