Sepsis
Definition
Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Funktionsstörung von Organen, die durch eine fehlregulierte Reaktion des Körpers auf eine Infektion entsteht. Nicht der Erreger selbst richtet dabei den größten Schaden an, sondern die überschießende Abwehrreaktion.
Der volkstümliche Begriff Blutvergiftung ist irreführend. Er wird häufig mit einem roten Strich entlang eines Arms verbunden, was tatsächlich eine Entzündung von Lymphbahnen beschreibt. Eine Sepsis kann ohne jedes solche Zeichen verlaufen.
Eine Sepsis ist immer ein Notfall. Jede Stunde ohne wirksame Behandlung verschlechtert die Überlebenswahrscheinlichkeit messbar. Bei Verdacht gilt deshalb dasselbe wie bei Herzinfarkt und Schlaganfall: sofort den Notruf 112 wählen.
Rechtliche Grundlagen
Die heute gebräuchliche Definition stammt aus einer internationalen Konsensuskonferenz von 2016, die Sepsis als lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Infektionsantwort beschreibt. Der frühere Bezug auf Entzündungszeichen wurde damit abgelöst.
Die Behandlung folgt der deutschen Leitlinie zur Sepsis sowie internationalen Empfehlungen. Sie sehen ein zeitkritisches Vorgehen mit Bündeln von Maßnahmen innerhalb der ersten Stunde vor.
Ein Teil der Fälle entsteht im Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung und zählt dann zu den nosokomialen Infektionen. Diese unterliegen der Erfassungspflicht nach § 23 Infektionsschutzgesetz.
Ein Nationaler Aktionsplan zur Verbesserung der Versorgung wurde aufgelegt. Er zielt unter anderem auf bessere Aufklärung der Bevölkerung, schnellere Erkennung und strukturierte Nachsorge.
Bedeutung in der Praxis
Warnzeichen, die zusammen mit einer Infektion auftreten und sofortiges Handeln erfordern:
- neu aufgetretene Verwirrtheit oder auffällige Verlangsamung
- sehr schnelle Atmung oder Atemnot
- sehr schneller Puls und niedriger Blutdruck
- Fieber oder auffällig niedrige Körpertemperatur mit Schüttelfrost
- fleckige, blasse oder bläuliche Haut, kalte Extremitäten
- stark verminderte Urinmenge
- das Gefühl, so krank zu sein wie nie zuvor
Besonders gefährdet sind Menschen über 60 Jahre, Säuglinge, Personen mit geschwächtem Immunsystem, mit chronischen Erkrankungen, ohne Milz sowie Menschen mit Kathetern, Zugängen oder frischen Wunden.
Die Behandlung erfolgt in der Klinik und ist zeitkritisch. Zum Vorgehen gehören die Abnahme von Blutkulturen vor Beginn der Behandlung, die rasche Gabe eines wirksamen Antibiotikums, Flüssigkeitsgabe zur Kreislaufstabilisierung und die Suche nach dem Infektionsherd, der gegebenenfalls operativ saniert werden muss.
Die Blutkulturen vor der ersten Antibiotikagabe sind wichtig, dürfen die Behandlung aber nicht verzögern. Sie ermöglichen später die Umstellung auf ein gezielt wirksames Mittel im Sinne des Antibiotic Stewardship.
Nach überstandener Sepsis bleiben häufig Beschwerden zurück, die als Post-Sepsis-Syndrom bezeichnet werden: anhaltende Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie psychische Belastungen. Eine strukturierte Nachsorge ist deshalb sinnvoll.
Vorbeugung ist möglich. Dazu gehören Schutzimpfungen, insbesondere gegen Pneumokokken, Influenza und COVID-19 bei Risikogruppen, konsequente Händehygiene und die sachgerechte Versorgung von Wunden und Zugängen.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
Die Lymphangitis ist die Entzündung von Lymphbahnen und zeigt sich als roter Streifen. Sie ist behandlungsbedürftig, aber nicht mit einer Sepsis gleichzusetzen.
Die Bakteriämie bezeichnet den bloßen Nachweis von Bakterien im Blut. Sie kann folgenlos bleiben und ist nicht automatisch eine Sepsis.
Der septische Schock ist die schwerste Verlaufsform mit Kreislaufversagen, das trotz ausreichender Flüssigkeitsgabe fortbesteht.
Verwandte Begriffe: nosokomiale Infektion, Intensivmedizin, Antibiotic Stewardship.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Sepsis dasselbe wie Blutvergiftung? Der volkstümliche Begriff ist irreführend. Er wird häufig mit einem roten Strich am Arm verbunden, was eine Entzündung von Lymphbahnen beschreibt. Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organfunktionsstörung und kann ohne jedes solche Zeichen verlaufen.
Woran erkenne ich eine mögliche Sepsis? An Warnzeichen zusammen mit einer Infektion: neu aufgetretene Verwirrtheit, sehr schnelle Atmung, schneller Puls mit niedrigem Blutdruck, Fieber oder auffällig niedrige Temperatur, fleckige Haut, wenig Urin und das Gefühl, so krank wie nie zuvor zu sein. Bei Verdacht sofort den Notruf 112 wählen.
Warum ist Zeit so entscheidend? Weil jede Stunde ohne wirksame Behandlung die Überlebenswahrscheinlichkeit messbar verschlechtert. Deshalb sehen die Leitlinien Maßnahmenbündel vor, die innerhalb der ersten Stunde umgesetzt werden sollen.
Wer ist besonders gefährdet? Menschen über 60 Jahre, Säuglinge, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen, Menschen ohne Milz sowie Personen mit Kathetern, Zugängen oder frischen Wunden.
Bleiben nach einer Sepsis Folgen zurück? Häufig ja. Das Post-Sepsis-Syndrom umfasst anhaltende Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie psychische Belastungen. Eine strukturierte Nachsorge ist deshalb sinnvoll.