Früherkennung
Definition
Früherkennung bezeichnet Untersuchungen bei Menschen ohne Beschwerden, mit denen eine Erkrankung oder deren Vorstufen entdeckt werden sollen, bevor Symptome auftreten. Ziel ist eine frühere und dadurch wirksamere Behandlung.
Der Grundgedanke leuchtet unmittelbar ein, die Umsetzung ist es nicht. Eine Früherkennungsuntersuchung nützt nur, wenn ein früherer Behandlungsbeginn den Verlauf tatsächlich verbessert. Das ist nicht bei jeder Erkrankung der Fall.
Jede Reihenuntersuchung erzeugt zudem falsch positive Befunde und damit Verunsicherung und Folgeuntersuchungen. Ob eine Untersuchung angeboten wird, ist deshalb stets eine Abwägung von Nutzen und Schaden auf Bevölkerungsebene.
Rechtliche Grundlagen
Rechtsgrundlagen sind die §§ 25 und 26 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch. § 26 regelt die Untersuchungen für Kinder und Jugendliche, § 25 die für Erwachsene einschließlich der Krebsfrüherkennung.
Die Einzelheiten legt der Gemeinsame Bundesausschuss in Richtlinien fest, insbesondere in der Kinder-Richtlinie, der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie und der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie.
Für Kinder und Jugendliche bestehen Untersuchungen zu festgelegten Zeitpunkten:
- U1 bis U9 von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr
- J1 im Jugendalter
- zusätzliche Untersuchungen je nach Bundesland und Kasse
§ 25a sieht organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme vor. Sie umfassen ein persönliches Einladungsverfahren, verbindliche Qualitätsanforderungen und eine laufende Auswertung der Ergebnisse.
Für Kinderuntersuchungen bestehen in mehreren Bundesländern verbindliche Einladungs- und Meldeverfahren, teils mit Rückmeldung an das Gesundheitsamt, wenn Termine nicht wahrgenommen werden.
Bedeutung in der Praxis
Zur Krebsfrüherkennung zählen unter anderem:
- Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs mit Abstrich und Test auf humane Papillomviren
- Mammographie-Screening in einem organisierten Programm
- Darmkrebsfrüherkennung über Test auf verborgenes Blut im Stuhl oder Darmspiegelung
- Untersuchung auf Prostatakrebs durch Tastuntersuchung
- Hautkrebsscreening
Die Altersgrenzen und Intervalle unterscheiden sich je Untersuchung und werden regelmäßig angepasst. Aktuell gültige Angaben nennt die Krankenkasse oder die Praxis.
Bei der Beurteilung eines Befundes sind Sensitivität und Spezifität entscheidend. Da Früherkennung bei Menschen ohne Beschwerden stattfindet, ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung niedrig, wodurch ein erheblicher Teil auffälliger Befunde falsch positiv ausfällt.
Ein auffälliger Befund ist deshalb keine Diagnose, sondern ein Anlass zur weiteren Abklärung. Diese Einordnung nimmt vielen Betroffenen die erste Sorge.
Fachlich diskutiert wird zudem die Überdiagnose. Damit ist die Entdeckung von Veränderungen gemeint, die zu Lebzeiten nie Beschwerden verursacht hätten, aber gleichwohl behandelt werden. Sie ist der Hauptgrund, warum nicht jede technisch mögliche Untersuchung angeboten wird.
Für privat Versicherte richtet sich der Umfang nach dem Versicherungsvertrag. Er kann über die gesetzlichen Angebote hinausgehen, was nicht automatisch einen besseren Nutzen bedeutet.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
Die Diagnostik erfolgt bei bestehenden Beschwerden und verfolgt eine konkrete Fragestellung.
Die Gesundheitsuntersuchung ist eine bestimmte Untersuchung für Erwachsene und nur ein Teil der Früherkennung.
Individuelle Gesundheitsleistungen sind Angebote außerhalb des Leistungskatalogs, die selbst zu zahlen sind. Ihr Nutzen ist häufig nicht belegt.
Verwandte Begriffe: Gesundheitsuntersuchung, Sensitivität und Spezifität, Gemeinsamer Bundesausschuss.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Untersuchungen gibt es für Kinder? Die Untersuchungen U1 bis U9 von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr sowie die J1 im Jugendalter. Je nach Bundesland und Krankenkasse kommen weitere Angebote hinzu.
Ist ein auffälliger Befund schon eine Diagnose? Nein. Da Früherkennung bei Menschen ohne Beschwerden stattfindet, ist ein erheblicher Teil auffälliger Befunde falsch positiv. Ein auffälliges Ergebnis ist ein Anlass zur weiteren Abklärung, nicht mehr.
Warum wird nicht alles untersucht, was technisch möglich ist? Weil jede Reihenuntersuchung auch schadet: durch falsch positive Befunde, Folgeuntersuchungen und Überdiagnosen, also die Entdeckung von Veränderungen, die nie Beschwerden verursacht hätten. Angeboten wird nur, wo der Nutzen überwiegt.
Was ist ein organisiertes Screeningprogramm? Ein Programm mit persönlichem Einladungsverfahren, verbindlichen Qualitätsanforderungen und laufender Auswertung der Ergebnisse, geregelt in § 25a Sozialgesetzbuch Fünftes Buch.
Muss ich die Kinderuntersuchungen wahrnehmen? Mehrere Bundesländer haben verbindliche Einladungs- und Meldeverfahren eingeführt, teils mit Rückmeldung an das Gesundheitsamt bei nicht wahrgenommenen Terminen. Die Ausgestaltung unterscheidet sich zwischen den Ländern.