Nosokomiale Infektion
Definition
Eine nosokomiale Infektion ist eine Infektion, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer stationären oder ambulanten medizinischen Maßnahme auftritt und bei Beginn der Maßnahme noch nicht vorlag. Umgangssprachlich wird sie als Krankenhausinfektion bezeichnet.
Der Begriff sagt nichts über ein Verschulden aus. Eine nosokomiale Infektion ist nicht gleichbedeutend mit einem Behandlungsfehler. Viele Infektionen entstehen, weil eine Behandlung natürliche Barrieren durchbricht, etwa durch einen Katheter, einen Beatmungsschlauch oder eine Operationswunde.
Ein Teil dieser Infektionen gilt jedoch als vermeidbar. Genau darauf zielen Hygienemaßnahmen, Surveillance und die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention.
Rechtliche Grundlagen
Die Legaldefinition steht in § 2 Nummer 8 Infektionsschutzgesetz. Sie stellt auf den zeitlichen Zusammenhang mit der medizinischen Maßnahme ab, nicht auf einen Nachweis der Ursache.
§ 23 verpflichtet Leiterinnen und Leiter bestimmter Einrichtungen, nosokomiale Infektionen und Erreger mit besonderen Resistenzen fortlaufend aufzuzeichnen und zu bewerten. Aus der Bewertung sind sachgerechte Schlussfolgerungen zu ziehen und Maßnahmen umzusetzen.
Die Aufzeichnungspflicht trifft unter anderem:
- Krankenhäuser
- Einrichtungen für ambulantes Operieren
- Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen
- Dialyseeinrichtungen
- Tageskliniken
Die Aufzeichnungen sind zehn Jahre aufzubewahren und dem Gesundheitsamt auf Verlangen vorzulegen. Sie sind Gegenstand der infektionshygienischen Überwachung.
Bedeutung in der Praxis
Vier Formen machen den überwiegenden Teil aus:
- Harnwegsinfektionen: überwiegend im Zusammenhang mit einem Blasenkatheter
- postoperative Wundinfektionen: im Bereich des Operationsgebiets
- untere Atemwegsinfektionen: insbesondere beatmungsassoziierte Pneumonien
- Blutstrominfektionen: häufig ausgehend von einem zentralen Venenkatheter
Hinzu kommen Durchfallerkrankungen durch Clostridioides difficile, die häufig im Zusammenhang mit einer vorangegangenen Antibiotikabehandlung stehen.
Die wirksamsten Gegenmaßnahmen sind unspektakulär: konsequente Händehygiene, das frühzeitige Entfernen nicht mehr benötigter Katheter, standardisierte Vorgehensweisen beim Legen von Zugängen und ein zurückhaltender Antibiotikaeinsatz über Antibiotic Stewardship.
Für die Surveillance existiert mit dem Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System ein bundesweites Verfahren am Nationalen Referenzzentrum. Einrichtungen können ihre Kennzahlen anonymisiert mit vergleichbaren Häusern abgleichen, was Auffälligkeiten sichtbar macht.
Die Zahl vermeidbarer Fälle wird unterschiedlich geschätzt. Einigkeit besteht darin, dass ein erheblicher Anteil durch konsequente Umsetzung bekannter Maßnahmen verhindert werden könnte, insbesondere bei katheterassoziierten Infektionen. Genau dort setzen strukturierte Bündel an, die mehrere Einzelmaßnahmen verbindlich zusammenfassen.
Für die Einordnung einer Infektion gelten die Falldefinitionen des Nationalen Referenzzentrums. Sie legen fest, ab wann ein Fall in die Statistik eingeht, und sorgen dafür, dass Häuser überhaupt vergleichbar sind. Ohne einheitliche Definition wären Kennzahlen wertlos.
Für Betroffene und Angehörige ist die Unterscheidung zwischen Besiedlung und Infektion wichtig. Der Nachweis eines Erregers auf der Haut oder im Nasenvorhof bedeutet keine Erkrankung. Erst Krankheitszeichen machen daraus eine Infektion.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
Eine ambulant erworbene Infektion bestand bereits vor der medizinischen Maßnahme und ist deshalb nicht nosokomial.
Ein Behandlungsfehler setzt eine Abweichung vom fachlichen Standard voraus. Eine nosokomiale Infektion kann auch ohne Fehler entstehen, weshalb aus ihr allein kein Haftungsanspruch folgt.
Ein Ausbruch liegt vor, wenn zwei oder mehr gleichartige Infektionen mit vermutetem epidemischem Zusammenhang auftreten. Dann greift zusätzlich die Meldepflicht.
Verwandte Begriffe: MRSA, Hygieneplan, KRINKO.
Häufige Fragen (FAQ)
Was bedeutet nosokomial? Dass eine Infektion im zeitlichen Zusammenhang mit einer stationären oder ambulanten medizinischen Maßnahme auftritt und bei deren Beginn noch nicht vorlag. Der Begriff stammt vom griechischen Wort für Krankenhaus.
Ist eine solche Infektion ein Behandlungsfehler? Nicht automatisch. Viele entstehen, weil eine Behandlung natürliche Barrieren durchbricht, etwa durch Katheter oder Operationswunden. Ein Haftungsanspruch setzt eine Abweichung vom fachlichen Standard voraus.
Welche Infektionen sind am häufigsten? Harnwegsinfektionen im Zusammenhang mit Blasenkathetern, postoperative Wundinfektionen, beatmungsassoziierte Lungenentzündungen und Blutstrominfektionen ausgehend von zentralen Venenkathetern.
Müssen Kliniken solche Infektionen erfassen? Ja. § 23 Infektionsschutzgesetz verpflichtet bestimmte Einrichtungen zur fortlaufenden Aufzeichnung und Bewertung sowie zur Umsetzung von Maßnahmen. Die Aufzeichnungen sind zehn Jahre aufzubewahren.
Was ist der Unterschied zwischen Besiedlung und Infektion? Bei einer Besiedlung ist der Erreger nachweisbar, verursacht aber keine Krankheitszeichen. Erst mit lokalen oder systemischen Krankheitszeichen liegt eine Infektion vor.