Point-of-Care-Testing (POCT)

Definition

Point-of-Care-Testing bezeichnet Laboruntersuchungen, die unmittelbar dort durchgeführt werden, wo die Patientin oder der Patient betreut wird, also außerhalb des Zentrallabors. Ziel ist ein Ergebnis innerhalb von Minuten, um eine Entscheidung ohne Wartezeit treffen zu können.

Der deutsche Begriff patientennahe Sofortdiagnostik trifft die Sache genau. Es geht nicht um eine andere Art von Untersuchung, sondern um einen anderen Ort und einen anderen Zeitrahmen.

Der Nutzen entsteht dort, wo eine schnelle Entscheidung den Verlauf beeinflusst. In der Notaufnahme, auf der Intensivstation, im Rettungsdienst und in der Hausarztpraxis kann eine Wartezeit von Stunden den Wert eines Befundes erheblich mindern.

Rechtliche Grundlagen

Auch für POCT gilt die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen. Eine Ausnahme wegen des Einsatzorts gibt es nicht.

Die Medizinprodukte-Betreiberverordnung verlangt Einweisung der Anwendenden, Führung eines Bestandsverzeichnisses und die Durchführung messtechnischer Kontrollen, soweit vorgeschrieben.

Organisatorisch ergeben sich daraus mehrere Pflichten:

  • Benennung verantwortlicher Personen für die Geräte
  • dokumentierte Einweisung aller Anwendenden
  • interne Qualitätssicherung mit Kontrollproben in vorgegebener Häufigkeit
  • Teilnahme an Ringversuchen, soweit für den Parameter vorgeschrieben
  • Dokumentation von Ergebnissen und Kontrollen

In größeren Häusern wird die Verantwortung für POCT häufig beim Zentrallabor gebündelt. Das hat sich bewährt, weil die Qualitätssicherung dort fachlich verankert ist, während die Geräte dezentral stehen.

Bedeutung in der Praxis

Typische Anwendungen:

  • Blutzuckermessung, sowohl klinisch als auch zur Selbstkontrolle
  • Blutgasanalyse einschließlich Elektrolyten und Laktat
  • Troponin bei Verdacht auf Herzinfarkt
  • CRP zur Unterscheidung zwischen bakterieller und viraler Infektion
  • INR-Selbstmessung bei Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten
  • Urinteststreifen, Schwangerschaftstests und Antigenschnelltests

Der Zeitgewinn ist der eigentliche Vorteil. Bei einer CRP-Bestimmung in der Praxis kann noch im selben Termin über eine Antibiotikagabe entschieden werden, was unnötige Verordnungen vermeiden hilft.

Dem stehen Nachteile gegenüber. Die Kosten je Einzelmessung liegen deutlich über denen im Zentrallabor, weil die Rationalisierungsvorteile großer Analysenserien entfallen. Die Präzision ist bei vielen Verfahren geringer, und die Ergebnisse sind mit denen des Zentrallabors nicht immer unmittelbar vergleichbar.

Aus dieser eingeschränkten Vergleichbarkeit folgt eine wichtige Regel für den Alltag: Ein POCT-Ergebnis und ein Laborergebnis desselben Parameters sollten nicht ohne Weiteres in einer Verlaufskurve zusammengeführt werden.

Ein weiterer Punkt betrifft die Dokumentation. POCT-Ergebnisse werden häufig nur auf Papier notiert oder gar nicht in die Akte übernommen, weil sie nicht automatisch aus einem Laborsystem einlaufen. Eine Anbindung an das Krankenhaus- oder Praxisinformationssystem verhindert, dass Befunde verloren gehen.

Die häufigste Schwachstelle in der Praxis ist die Anwendung durch wechselndes Personal ohne regelmäßige Auffrischung. Geräte sind einfach zu bedienen, was leicht darüber hinwegtäuscht, dass Probenmaterial, Handhabung und Haltbarkeit der Teststreifen fehleranfällig bleiben.

Abgrenzung und verwandte Begriffe

Das Zentrallabor arbeitet mit großen Analysensystemen, erreicht höhere Präzision und ein breiteres Parameterspektrum, benötigt dafür aber Transport und Bearbeitungszeit.

Ein Selbsttest für Laien ist ein In-vitro-Diagnostikum zur Eigenanwendung mit eigenen regulatorischen Anforderungen nach IVDR. POCT im klinischen Sinn wird dagegen von Fachpersonal durchgeführt.

Die Praxislaborgemeinschaft ist ein organisatorisches Modell für die Abrechnung von Laborleistungen und keine Frage des Messorts.

Verwandte Begriffe: RiliBÄK, IVDR, Präanalytik.

Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet Point-of-Care-Testing? Laboruntersuchungen unmittelbar am Ort der Betreuung statt im Zentrallabor, mit dem Ziel eines Ergebnisses innerhalb von Minuten. Der deutsche Begriff lautet patientennahe Sofortdiagnostik.

Sind POCT-Ergebnisse genauso zuverlässig wie Laborwerte? In der Regel ist die Präzision geringer und die Vergleichbarkeit mit dem Zentrallabor eingeschränkt. Für die Fragestellung, für die POCT eingesetzt wird, reicht die Genauigkeit meist aus. Werte aus beiden Quellen sollten aber nicht in einer Verlaufskurve vermischt werden.

Gilt die RiliBÄK auch für POCT? Ja, ohne Ausnahme wegen des Einsatzorts. Erforderlich sind interne Qualitätssicherung mit Kontrollproben, Teilnahme an Ringversuchen für die betroffenen Parameter sowie Einweisung und Dokumentation.

Warum ist POCT teurer als Laboranalytik? Weil die Kostenvorteile großer Analysenserien entfallen. Jede Messung verbraucht eine Einzelkassette oder einen Teststreifen, hinzu kommen Kontrollmaterial und Geräteaufwand je Standort.

Wo liegt der größte praktische Fehlerschwerpunkt? Bei der Anwendung durch wechselndes Personal ohne regelmäßige Auffrischung. Die einfache Bedienung täuscht darüber hinweg, dass Probenmaterial, Handhabung und Haltbarkeit der Teststreifen fehleranfällig bleiben.

← Zurück zum Glossar