Ringversuch
Definition
Ein Ringversuch ist ein Verfahren der externen Qualitätssicherung, bei dem mehrere Laboratorien dieselbe Probe mit unbekanntem Sollwert untersuchen. Eine unabhängige Referenzinstitution wertet die eingesandten Ergebnisse aus und stellt bei ausreichender Übereinstimmung ein Zertifikat aus.
Der Zweck ist ein anderer als bei der internen Qualitätssicherung. Diese prüft, ob ein Labor über die Zeit reproduzierbar misst. Der Ringversuch prüft, ob es zugleich richtig misst, also mit dem Ergebnis anderer Labore und dem tatsächlichen Wert übereinstimmt.
Ohne diesen Abgleich könnte ein Labor systematisch zu hoch oder zu niedrig messen, ohne es zu bemerken, weil die eigenen Kontrollen konstant und damit unauffällig blieben.
Rechtliche Grundlagen
Grundlage ist die Richtlinie der Bundesärztekammer. Sie legt fest, für welche Parameter die Teilnahme verpflichtend ist, in welcher Häufigkeit sie zu erfolgen hat und welche Abweichungen zulässig sind.
Ringversuche werden von Referenzinstitutionen durchgeführt, die von der Bundesärztekammer benannt sind. In Deutschland sind das insbesondere INSTAND und das Referenzinstitut für Bioanalytik.
Das Zertifikat wird für einen bestimmten Parameter und einen begrenzten Zeitraum ausgestellt. Läuft es aus, ohne dass erneut erfolgreich teilgenommen wurde, entfällt die Berechtigung zur Abrechnung dieses Parameters.
Für die vertragsärztliche Versorgung knüpfen die Kassenärztlichen Vereinigungen die Abrechenbarkeit an den Nachweis gültiger Zertifikate.
Bedeutung in der Praxis
Der Ablauf folgt einem festen Muster:
- die Referenzinstitution versendet Proben mit unbekanntem Sollwert an die teilnehmenden Labore
- die Labore untersuchen die Proben wie eine Routineprobe, ohne Sonderbehandlung
- die Ergebnisse werden fristgerecht übermittelt
- die Auswertung vergleicht das Einzelergebnis mit dem Sollwert oder dem Konsens der Teilnehmenden
- bei Einhaltung der zulässigen Abweichung wird ein Zertifikat ausgestellt
Entscheidend für die Aussagekraft ist, dass die Ringversuchsprobe genauso behandelt wird wie eine Patientenprobe. Eine Sonderbehandlung, etwa Mehrfachmessung mit Mittelwertbildung, verfälscht das Ergebnis und entwertet den Ringversuch.
Bei Nichtbestehen ist eine Ursachenanalyse vorgeschrieben. Typische Ursachen sind Kalibrationsfehler, Chargenwechsel bei Reagenzien, Gerätedefekte oder eine Verwechslung der Proben.
Für kleinere Einrichtungen ist die Teilnahme organisatorisch aufwendig, weil die Termine fest vorgegeben sind und die Proben innerhalb einer Frist bearbeitet werden müssen. Eine Vertretungsregelung für Urlaubs- und Krankheitszeiten ist deshalb sinnvoll.
Die Auswertung erfolgt je nach Parameter gegen einen Referenzmethodenwert oder gegen den Konsens der Teilnehmenden. Der Unterschied ist bedeutsam: Beim Konsensverfahren wird gemessen, wie stark ein Labor von der Mehrheit abweicht, nicht wie stark es vom wahren Wert abweicht.
Neben den verpflichtenden Ringversuchen bieten die Referenzinstitutionen freiwillige Programme an, etwa für seltene Parameter oder zur Schulung. Sie sind ohne Zertifikatswirkung, eignen sich aber gut, um ein neues Verfahren vor der Einführung zu prüfen.
Ringversuchsergebnisse eignen sich zudem als Entscheidungsgrundlage bei einem geplanten Methodenwechsel, weil sie zeigen, wie das eigene Verfahren im Vergleich zu anderen abschneidet.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
Die interne Qualitätssicherung läuft laufend im eigenen Haus mit Kontrollproben bekannten Sollwerts. Sie prüft die Präzision, nicht die Richtigkeit im Vergleich mit anderen.
Ein Methodenvergleich stellt zwei Verfahren im selben Labor gegenüber, etwa vor einer Umstellung. Er ersetzt keinen Ringversuch.
Die Akkreditierung bewertet die Kompetenz des Labors insgesamt. Erfolgreiche Ringversuchsteilnahmen sind dabei ein Nachweis unter mehreren.
Verwandte Begriffe: RiliBÄK, Laborakkreditierung, Präanalytik.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist ein Ringversuch? Ein Verfahren der externen Qualitätssicherung, bei dem mehrere Labore dieselbe Probe mit unbekanntem Sollwert untersuchen. Eine unabhängige Referenzinstitution wertet aus und stellt bei ausreichender Übereinstimmung ein Zertifikat aus.
Wer führt Ringversuche durch? Von der Bundesärztekammer benannte Referenzinstitutionen, in Deutschland insbesondere INSTAND und das Referenzinstitut für Bioanalytik.
Wie oft muss teilgenommen werden? Die Häufigkeit gibt die Richtlinie der Bundesärztekammer je Parameter vor. Das Zertifikat gilt jeweils nur für einen begrenzten Zeitraum und muss durch erneute erfolgreiche Teilnahme aufrechterhalten werden.
Darf man die Ringversuchsprobe mehrfach messen? Nein. Sie muss wie eine gewöhnliche Patientenprobe behandelt werden. Eine Sonderbehandlung wie Mehrfachmessung mit Mittelwertbildung verfälscht das Ergebnis und entwertet den Zweck des Verfahrens.
Was sind typische Ursachen für ein Nichtbestehen? Kalibrationsfehler, Chargenwechsel bei Reagenzien, Gerätedefekte oder Probenverwechslungen. Eine Ursachenanalyse ist nach Nichtbestehen vorgeschrieben.