MRSA
Definition
MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Es handelt sich um Bakterien, die gegen nahezu alle Antibiotika aus der Gruppe der Beta-Laktame unempfindlich sind. Dadurch fallen die üblichen Mittel der ersten Wahl bei Staphylokokkeninfektionen aus.
Staphylococcus aureus selbst ist weit verbreitet. Etwa ein Drittel aller Menschen trägt ihn dauerhaft oder zeitweise im Nasenvorhof, ohne krank zu sein. Erst wenn er über eine Wunde oder einen Zugang in tiefere Gewebe gelangt, entstehen Infektionen.
Die Resistenz macht den Erreger nicht aggressiver, sondern schwerer behandelbar. Das ist der entscheidende Punkt: MRSA verursacht dieselben Krankheitsbilder wie empfindliche Stämme, nur bleiben weniger Behandlungsoptionen.
Rechtliche Grundlagen
Nach § 7 Infektionsschutzgesetz ist der Nachweis von MRSA aus Blut oder Liquor namentlich meldepflichtig. Der Nachweis aus einem Abstrich, also bei bloßer Besiedlung, ist es nicht.
Nach § 23 sind Einrichtungen verpflichtet, Erreger mit besonderen Resistenzen fortlaufend aufzuzeichnen und zu bewerten. MRSA fällt darunter.
Die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention konkretisieren die erforderlichen Maßnahmen. Ihre Einhaltung begründet die Vermutung, dass der Stand der medizinischen Wissenschaft beachtet wurde.
Für die ambulante Sanierung besteht eine Vergütungsregelung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab, sodass hausärztliche Praxen die Leistungen abrechnen können.
Bedeutung in der Praxis
Ein Screening erfolgt bei Aufnahme in eine Klinik bei Personen mit erhöhtem Risiko, etwa nach vorangegangenem Krankenhausaufenthalt, bei chronischen Wunden, bei Dialyse oder bei bekannter früherer Besiedlung. Untersucht werden üblicherweise Abstriche aus Nasenvorhof und Rachen, gegebenenfalls von Wunden.
Die Sanierung einer Besiedlung umfasst typischerweise über mehrere Tage:
- antibiotische Nasensalbe für den Nasenvorhof
- antiseptische Waschungen von Haut und Haaren
- antiseptische Mundspülungen
- täglicher Wechsel von Kleidung, Handtüchern und Bettwäsche
- Kontrollabstriche im Abstand nach Abschluss der Behandlung
Im Krankenhaus werden besiedelte oder infizierte Personen in der Regel isoliert untergebracht, das Personal trägt Schutzkittel und Handschuhe. Grundlage ist das erhöhte Risiko für Mitpatientinnen und Mitpatienten mit offenen Wunden oder Zugängen.
Im Pflegeheim gelten andere Maßstäbe. Dort ist das Heim der Lebensraum der Bewohnerinnen und Bewohner. Eine Isolierung ist im Regelfall nicht angezeigt, die Teilnahme am Gemeinschaftsleben soll möglich bleiben. Erforderlich sind konsequente Händehygiene und das Abdecken von Wunden.
Auch im häuslichen Umfeld sind keine besonderen Maßnahmen nötig. Gesunde Angehörige sind nicht gefährdet. Übliche Hygiene, eigene Handtücher und regelmäßiges Händewaschen genügen.
Die MRSA-Rate in Deutschland ist über die vergangenen Jahre deutlich zurückgegangen. Als Gründe gelten das strukturierte Screening bei Risikopatienten, konsequentere Händehygiene und regionale Netzwerke, in denen Kliniken, Praxen, Pflegeeinrichtungen und Gesundheitsämter ihr Vorgehen abstimmen.
Zu unterscheiden sind im Krankenhaus erworbene Stämme von ambulant erworbenen. Letztere treten auch bei jungen, gesunden Menschen ohne Krankenhauskontakt auf und verursachen häufig tiefe Haut- und Weichteilinfektionen.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
MRGN sind multiresistente gramnegative Stäbchenbakterien und damit eine völlig andere Erregergruppe mit eigenen Hygieneanforderungen.
VRE sind Vancomycin-resistente Enterokokken, ebenfalls grampositiv, aber mit anderem Resistenzmechanismus.
MSSA bezeichnet den Methicillin-empfindlichen Staphylococcus aureus. Er ist nicht harmloser, aber mit den üblichen Antibiotika behandelbar.
Verwandte Begriffe: nosokomiale Infektion, multiresistente Erreger, Händehygiene.
Häufige Fragen (FAQ)
Bin ich krank, wenn MRSA nachgewiesen wurde? Nicht zwangsläufig. Ein Nachweis aus einem Abstrich bedeutet zunächst nur eine Besiedlung ohne Krankheitszeichen. Erst mit Krankheitszeichen liegt eine Infektion vor.
Ist MRSA gefährlicher als andere Staphylokokken? Nicht aggressiver, aber schwerer behandelbar. Der Erreger verursacht dieselben Krankheitsbilder wie empfindliche Stämme, doch fallen die üblichen Antibiotika der ersten Wahl aus.
Muss ich im Pflegeheim isoliert werden? Im Regelfall nicht. Anders als im Krankenhaus ist das Heim der Lebensraum der Bewohnerinnen und Bewohner. Erforderlich sind konsequente Händehygiene und das Abdecken von Wunden, die Teilnahme am Gemeinschaftsleben soll möglich bleiben.
Sind meine Angehörigen zu Hause gefährdet? Gesunde Angehörige sind nicht gefährdet. Übliche Hygiene, eigene Handtücher und regelmäßiges Händewaschen genügen. Besondere Maßnahmen sind im häuslichen Umfeld nicht erforderlich.
Wie läuft eine Sanierung ab? Über mehrere Tage mit antibiotischer Nasensalbe, antiseptischen Waschungen und Mundspülungen sowie täglichem Wechsel von Kleidung und Wäsche. Anschließend erfolgen Kontrollabstriche in festgelegtem Abstand.