Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)

Definition

Arzneimitteltherapiesicherheit bezeichnet die Gesamtheit der Maßnahmen, mit denen der Medikationsprozess so gestaltet wird, dass Risiken für Patientinnen und Patienten minimiert werden. Ziel ist die Vermeidung vermeidbarer Schäden durch Arzneimittel.

Zu unterscheiden sind zwei Ursachen. Eine unerwünschte Arzneimittelwirkung kann auch bei fehlerfreier Anwendung auftreten und ist Gegenstand der Pharmakovigilanz. Ein Medikationsfehler dagegen entsteht im Prozess und ist grundsätzlich vermeidbar.

Genau darauf zielt das Konzept. Es fragt nicht nach der Substanz, sondern nach dem Ablauf: Verordnung, Abgabe, Anwendung, Überwachung und Übergänge zwischen Versorgungsbereichen.

Rechtliche Grundlagen

Eine eigene gesetzliche Regelung besteht nicht. Die Anforderungen ergeben sich aus dem Behandlungsvertrag, aus der Apothekenbetriebsordnung und aus den Qualitätsanforderungen der jeweiligen Einrichtung.

Konkrete Instrumente sind gesetzlich verankert, insbesondere der Medikationsplan nach § 31a Sozialgesetzbuch Fünftes Buch und die pharmazeutischen Dienstleistungen nach § 129 Absatz 5e.

Das Bundesministerium für Gesundheit legt in mehrjährigen Abständen Aktionspläne zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit auf. Sie bündeln Maßnahmen von Forschung über Ausbildung bis zur Umsetzung in der Versorgung.

Für Krankenhäuser ergeben sich Anforderungen aus den Vorgaben zum Qualitätsmanagement, für Apotheken aus dem Qualitätsmanagementsystem nach der Apothekenbetriebsordnung.

Bedeutung in der Praxis

Die kritischsten Stellen im Verlauf sind die Übergänge:

  • Aufnahme ins Krankenhaus, wenn die häusliche Medikation erhoben und teils umgestellt wird
  • Entlassung, wenn die Klinikmedikation in die ambulante Versorgung übergeht
  • Wechsel zwischen Fachrichtungen ohne gemeinsamen Überblick
  • Übergang in eine Pflegeeinrichtung

An diesen Schnittstellen entstehen die meisten Fehler, weil Informationen unvollständig übergeben werden. Der Medikationsplan und ein sorgfältiger Abgleich, im Fachbegriff Medikationsabgleich, sind die wirksamsten Gegenmittel.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Mehrfachmedikation. Mit jedem zusätzlichen Arzneimittel steigt das Risiko für Wechselwirkungen überproportional. Ab einer bestimmten Zahl gleichzeitig angewendeter Präparate ist eine systematische Prüfung sinnvoll.

Für ältere Menschen bestehen Orientierungshilfen. Die PRISCUS-Liste benennt Wirkstoffe, die für Ältere potenziell ungeeignet sind, und nennt Alternativen. Beispiele sind bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie stark anticholinerg wirksame Substanzen wie Pridinol.

Die Medikationsanalyse durch die Apotheke prüft die gesamte Medikation systematisch auf Wechselwirkungen, Doppelverordnungen, ungeeignete Wirkstoffe, falsche Dosierungen und Anwendungsfehler. Sie ist als pharmazeutische Dienstleistung abrechenbar.

Ein unterschätzter Faktor ist die Anwendung selbst. Nicht teilbare Retardtabletten werden geteilt, Inhalatoren falsch bedient, Augentropfen nicht getroffen. Eine kurze Demonstration in der Praxis oder Apotheke ist häufig wirksamer als jede weitere Verordnung.

Für Betroffene sind drei Dinge wirksam: einen aktuellen Medikationsplan führen, immer dieselbe Apotheke nutzen, damit der Überblick an einer Stelle zusammenläuft, und bei jeder Neuverordnung fragen, ob etwas Bestehendes dafür entfallen kann.

Abgrenzung und verwandte Begriffe

Die Pharmakovigilanz überwacht die Sicherheit eines Arzneimittels als Produkt und wertet Verdachtsfälle unerwünschter Wirkungen aus.

Die Substitution betrifft den Austausch gegen ein wirkstoffgleiches Präparat und kann selbst zu einer Fehlerquelle werden, wenn sie zu Verwechslungen führt.

Das Antibiotic Stewardship verfolgt ein verwandtes Ziel, beschränkt sich aber auf Antibiotika.

Verwandte Begriffe: Medikationsplan, Pharmakovigilanz, Apotheker.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Nebenwirkung und Medikationsfehler? Eine unerwünschte Arzneimittelwirkung kann auch bei fehlerfreier Anwendung auftreten. Ein Medikationsfehler entsteht im Prozess, etwa durch falsche Dosierung, Verwechslung oder unterlassene Prüfung, und ist grundsätzlich vermeidbar.

Wo entstehen die meisten Fehler? An den Übergängen: bei Aufnahme ins Krankenhaus, bei der Entlassung, beim Wechsel zwischen Fachrichtungen und beim Umzug in eine Pflegeeinrichtung. Dort werden Informationen häufig unvollständig übergeben.

Was ist die PRISCUS-Liste? Eine Zusammenstellung von Wirkstoffen, die für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind, jeweils mit Begründung und Alternativvorschlägen. Sie ist eine Orientierungshilfe, kein Verbot im Einzelfall.

Was leistet eine Medikationsanalyse? Die systematische Prüfung der gesamten Medikation auf Wechselwirkungen, Doppelverordnungen, ungeeignete Wirkstoffe, falsche Dosierungen und Anwendungsfehler. Sie ist als pharmazeutische Dienstleistung abrechenbar.

Was kann ich selbst tun? Einen aktuellen Medikationsplan führen, möglichst immer dieselbe Apotheke nutzen, damit der Überblick an einer Stelle zusammenläuft, und bei jeder Neuverordnung fragen, ob dafür etwas Bestehendes entfallen kann.

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