Kühlkette

Definition

Die Kühlkette bezeichnet die durchgehende Einhaltung eines vorgeschriebenen Temperaturbereichs bei Lagerung und Transport temperaturempfindlicher Arzneimittel. Für kühlkettenpflichtige Produkte liegt dieser Bereich üblicherweise bei 2 bis 8 Grad Celsius.

Betroffen sind vor allem Impfstoffe, Insuline, biotechnologisch hergestellte Arzneimittel und Blutprodukte. Bei ihnen kann eine Temperaturabweichung die Wirksamkeit vermindern, ohne dass das Präparat äußerlich verändert erscheint.

Genau darin liegt das Problem. Ein durch Wärme oder Frost geschädigter Impfstoff sieht unverändert aus. Ohne lückenlose Temperaturüberwachung lässt sich die Schädigung nicht feststellen, und das Präparat würde unwirksam verabreicht.

Rechtliche Grundlagen

Maßgeblich sind die Leitlinien für die Gute Vertriebspraxis, veröffentlicht als 2013/C 343/01. Sie gelten für alle Inhaber einer Großhandelserlaubnis.

Daraus ergeben sich unter anderem folgende Anforderungen:

  • Temperaturmapping der Lagerräume, um kritische Stellen zu ermitteln
  • Qualifizierung von Kühlschränken, Kühlräumen und Transportbehältern
  • kontinuierliche Temperaturaufzeichnung mit kalibrierten Messmitteln
  • Alarmierung bei Über- oder Unterschreitung, auch außerhalb der Arbeitszeit
  • schriftliche Verfahren für den Umgang mit Abweichungen

Der jeweils einzuhaltende Bereich ergibt sich aus den Angaben des Herstellers in der Fachinformation und auf der Packung. Neben der Kühllagerung sind auch Raumtemperatur und Tiefkühllagerung definierte Bereiche mit eigenen Anforderungen.

Für Apotheken gilt ergänzend die Apothekenbetriebsordnung, die die ordnungsgemäße Lagerung und deren Dokumentation verlangt.

Bedeutung in der Praxis

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass jede Temperaturabweichung zur Vernichtung führt. Maßgeblich ist eine Bewertung des Einzelfalls anhand von Dauer, Ausmaß und Stabilitätsdaten des Produkts. Diese Bewertung trifft die verantwortliche Person, gegebenenfalls in Rücksprache mit dem Hersteller.

Unterschreitungen sind oft kritischer als Überschreitungen. Viele Impfstoffe vertragen kurzzeitig höhere Temperaturen, werden durch Einfrieren aber irreversibel geschädigt. Ein Kühlschrank, dessen Ware am Rückwandbereich gefriert, ist deshalb ein häufig übersehenes Risiko.

Beim Transport werden qualifizierte Versandbehälter mit Kühlelementen eingesetzt, deren Laufzeit unter definierten Bedingungen nachgewiesen ist. Beigelegte Datenlogger dokumentieren den Verlauf und werden beim Empfänger ausgelesen.

Für Betroffene ist der Heimtransport der schwächste Punkt. Insulin oder ein Impfstoff, der bei sommerlichen Temperaturen im Auto liegt, verlässt den zulässigen Bereich innerhalb kurzer Zeit. Eine Kühltasche für den Heimweg ist deshalb sinnvoll und wird in Apotheken häufig angeboten.

Nach einem Stromausfall ist die Bewertung ohne Temperaturaufzeichnung schwierig. Ein geschlossener Kühlschrank hält die Temperatur einige Stunden, ein häufig geöffneter nicht. Im Zweifel gibt die Apotheke oder der Hersteller Auskunft, ob das Präparat noch verwendbar ist.

Im Haushalt gehören kühlpflichtige Arzneimittel in den mittleren Bereich des Kühlschranks, nicht in die Tür und nicht direkt an die Rückwand. In der Tür schwankt die Temperatur zu stark, an der Rückwand droht Frost.

Abgrenzung und verwandte Begriffe

Die Gute Vertriebspraxis umfasst die gesamte Lieferkette einschließlich Dokumentation, Rückverfolgbarkeit und Rückrufverfahren. Die Kühlkette ist nur einer ihrer Aspekte.

Die Gute Herstellungspraxis betrifft die Produktion. Die Temperaturführung beginnt dort, geht dann aber in die Vertriebskette über.

Die Stabilitätsprüfung ist Teil der Zulassungsunterlagen und legt fest, welcher Temperaturbereich einzuhalten ist und wie lange Abweichungen toleriert werden können.

Verwandte Begriffe: GDP, Großhandelserlaubnis, Apothekenbetriebsordnung.

Häufige Fragen (FAQ)

Welcher Temperaturbereich gilt für kühlpflichtige Arzneimittel? Üblicherweise 2 bis 8 Grad Celsius. Maßgeblich ist immer die Angabe des Herstellers in der Fachinformation und auf der Packung, da einzelne Produkte abweichende Bereiche haben.

Ist eine Temperaturabweichung immer ein Totalschaden? Nein. Entscheidend sind Dauer, Ausmaß und die Stabilitätsdaten des Produkts. Die Bewertung trifft die verantwortliche Person, gegebenenfalls nach Rücksprache mit dem Hersteller.

Was ist schlimmer, zu warm oder zu kalt? Häufig zu kalt. Viele Impfstoffe vertragen kurzzeitig höhere Temperaturen, werden durch Einfrieren aber irreversibel geschädigt. Ware direkt an der Kühlschrankrückwand ist deshalb besonders gefährdet.

Wie transportiere ich Insulin nach Hause? Am besten in einer Kühltasche, besonders bei sommerlichen Temperaturen. Der Heimtransport ist die schwächste Stelle der Kühlkette. Viele Apotheken bieten geeignete Taschen an.

Wo im Kühlschrank lagert man kühlpflichtige Arzneimittel? Im mittleren Bereich, nicht in der Tür und nicht direkt an der Rückwand. In der Tür schwankt die Temperatur zu stark, an der Rückwand kann die Ware gefrieren.

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