Händehygiene
Definition
Händehygiene umfasst alle Maßnahmen zur Verringerung der Keimzahl an den Händen, insbesondere die hygienische Händedesinfektion, das Händewaschen, die Hautpflege und den Handschuhgebrauch. Sie gilt als wirksamste Einzelmaßnahme gegen die Übertragung von Erregern.
Die Erkenntnis ist alt. Ignaz Semmelweis wies bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nach, dass die Sterblichkeit im Kindbett durch Händedesinfektion drastisch sank. Die Umsetzung im Alltag bleibt dennoch bis heute die größte Herausforderung der Infektionsprävention.
Der Grund liegt in der Häufigkeit. In der Versorgung ergeben sich unzählige Gelegenheiten pro Schicht. Selbst eine hohe Befolgungsrate lässt bei dieser Zahl noch viele Lücken.
Rechtliche Grundlagen
Die Anforderungen ergeben sich aus den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention zur Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens.
Umzusetzen sind sie über den Hygieneplan nach § 23 und § 36 Infektionsschutzgesetz. Dort ist festzulegen, wann desinfiziert und wann gewaschen wird, mit welchem Mittel und welcher Einwirkzeit.
Aus dem Arbeitsschutzrecht folgen ergänzende Pflichten, insbesondere die Bereitstellung geeigneter Mittel, ein Hautschutzplan und Angebote zur arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Feuchtarbeit.
Verwendet werden dürfen nur Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit. Üblich ist die Orientierung an der Liste des Verbunds für Angewandte Hygiene oder an der Desinfektionsmittelliste des Robert Koch-Instituts.
Bedeutung in der Praxis
Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt fünf Momente für die Händedesinfektion:
- vor Kontakt mit der zu versorgenden Person
- vor einer aseptischen Tätigkeit
- nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material
- nach Kontakt mit der zu versorgenden Person
- nach Kontakt mit der unmittelbaren Umgebung der Person
Die Desinfektion ist dem Waschen in zweifacher Hinsicht überlegen: Sie wirkt schneller und zuverlässiger, und sie schädigt die Haut weniger, weil sie den Fettfilm nicht auswäscht. Die verbreitete Annahme, Waschen sei schonender, trifft nicht zu.
Die Einwirkzeit beträgt in der Regel 30 Sekunden. Entscheidend ist, dass die Hände während der gesamten Zeit feucht bleiben und alle Bereiche erreicht werden, insbesondere Fingerkuppen, Daumen und Nagelfalze, die am häufigsten ausgelassen werden.
Gewaschen statt desinfiziert wird in drei Fällen:
- bei sichtbarer Verschmutzung
- nach Kontakt mit Sporenbildnern wie Clostridioides difficile, weil Alkohol Sporen nicht abtötet
- bei unbehüllten Viren wie Noroviren, sofern kein Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen diese Erreger verfügbar ist
Voraussetzung für wirksame Händehygiene sind kurze Fingernägel ohne Lack und Kunstnägel sowie der Verzicht auf Ringe und Armbanduhren an Händen und Unterarmen. Unter Schmuck bleiben Erreger zuverlässig geschützt, und die Haut kann dort nicht ausreichend benetzt werden.
Handschuhe ersetzen die Händedesinfektion nicht. Sie werden bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten getragen, unmittelbar danach abgelegt, und anschließend sind die Hände zu desinfizieren. Das Tragen desselben Handschuhpaars zwischen mehreren Personen ist ein schwerwiegender Fehler.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
Die chirurgische Händedesinfektion vor einem Eingriff dauert deutlich länger und schließt die Unterarme ein.
Die Flächendesinfektion betrifft Oberflächen und Gegenstände, nicht die Haut, und verwendet andere Mittel.
Die Hautantiseptik bereitet die Haut der zu behandelnden Person vor einem Eingriff vor, etwa vor einer Injektion.
Verwandte Begriffe: Hygieneplan, nosokomiale Infektion, MRSA.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Desinfizieren oder Waschen besser? In der Regel die Desinfektion. Sie wirkt schneller und zuverlässiger und schädigt die Haut weniger, weil sie den Fettfilm nicht auswäscht. Gewaschen wird bei sichtbarer Verschmutzung sowie bei Sporenbildnern und bestimmten Viren.
Wie lange muss man die Hände desinfizieren? In der Regel 30 Sekunden. Die Hände müssen während der gesamten Einwirkzeit feucht bleiben, und alle Bereiche müssen benetzt werden, besonders Fingerkuppen, Daumen und Nagelfalze.
Warum wirkt Desinfektionsmittel nicht gegen alle Erreger? Alkohol tötet Sporen nicht ab, weshalb bei Clostridioides difficile gewaschen wird. Auch unbehüllte Viren wie Noroviren sind weniger empfindlich, hier sind Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen diese Erreger nötig.
Ersetzen Handschuhe die Händedesinfektion? Nein. Handschuhe werden bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten getragen und unmittelbar danach abgelegt, anschließend sind die Hände zu desinfizieren. Dasselbe Paar zwischen mehreren Personen zu tragen, ist ein schwerwiegender Fehler.
Warum sind Ringe und Kunstnägel ein Problem? Unter Schmuck bleiben Erreger geschützt, und die Haut kann dort nicht ausreichend benetzt werden. Kunstnägel und Nagellack erschweren die Beurteilung der Sauberkeit und begünstigen Keimreservoire am Nagelfalz.