Palliativversorgung
Definition
Palliativversorgung ist die Behandlung und Begleitung von Menschen mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden Erkrankung. Ziel ist die bestmögliche Lebensqualität durch Linderung von Beschwerden sowie psychosoziale und spirituelle Begleitung, nicht die Verlängerung des Lebens um jeden Preis.
Der weit verbreitete Gedanke, Palliativversorgung beginne erst in den letzten Tagen, trifft nicht zu. Sie kann bereits parallel zu einer krankheitsspezifischen Behandlung einsetzen, teilweise über Jahre.
Untersuchungen zeigen, dass eine frühe Einbindung nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern in einzelnen Situationen auch die Überlebenszeit. Der Verzicht auf belastende Maßnahmen ohne Nutzen wirkt sich günstig aus.
Rechtliche Grundlagen
Der Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung ergibt sich aus § 37b Sozialgesetzbuch Fünftes Buch. Die Einzelheiten regelt die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Zu unterscheiden sind zwei Versorgungsformen:
- allgemeine ambulante Palliativversorgung: durch Hausärztinnen, Hausärzte und Pflegedienste mit palliativer Qualifikation, deckt den überwiegenden Teil der Fälle ab
- spezialisierte ambulante Palliativversorgung: durch ein besonders qualifiziertes multiprofessionelles Team bei aufwendiger Symptomlage, rund um die Uhr erreichbar
Voraussetzung für die spezialisierte Versorgung ist eine nicht heilbare, fortschreitende Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung und ein besonders aufwendiger Versorgungsbedarf. Die Verordnung erfolgt ärztlich, die Krankenkasse genehmigt.
Nach § 132g haben Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Eingliederungshilfeeinrichtungen Anspruch auf eine gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase. Sie wird von der Einrichtung angeboten und von der Krankenkasse finanziert.
Im Krankenhaus bestehen Palliativstationen und Palliativdienste. Der Palliativdienst berät auf anderen Stationen, ohne dass eine Verlegung erforderlich ist.
Bedeutung in der Praxis
Im Vordergrund steht die Kontrolle belastender Symptome:
- Schmerzen, häufig mit Opioiden wie Fentanyl oder Tilidin je nach Stärke
- Atemnot, die auch ohne messbaren Sauerstoffmangel belastend ist
- Übelkeit und Erbrechen
- Verstopfung, insbesondere unter Opioidtherapie, weshalb ein Laxans wie Macrogol von Beginn an dazugehört
- Unruhe, Angst und Schlafstörungen
Die Sorge, Opioide würden das Leben verkürzen, ist bei sachgerechter Anwendung unbegründet. Bei angepasster Dosierung ist eine Atemdepression nicht zu erwarten, und unbehandelte Schmerzen belasten den Kreislauf zusätzlich.
Ein multiprofessionelles Team ist kennzeichnend. Neben Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften gehören häufig Sozialarbeit, Seelsorge, Psychologie und Physiotherapie dazu, ebenso ehrenamtliche Hospizbegleitung.
Für Angehörige ist die Entlastung ein eigenes Ziel. Beratung, Anleitung und die Erreichbarkeit rund um die Uhr verhindern häufig Krankenhauseinweisungen, die niemand gewollt hat.
Eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht sind hier besonders bedeutsam. Sie verhindern, dass in einer Krisensituation Maßnahmen begonnen werden, die nicht gewollt sind.
Ein Notfallplan mit Bedarfsmedikation und klaren Handlungsanweisungen für die Nacht und das Wochenende ist eines der wirksamsten Instrumente, um unnötige Notarzteinsätze zu vermeiden.
Abgrenzung und verwandte Begriffe
Das Hospiz ist eine Einrichtungsform beziehungsweise ein ehrenamtlicher Begleitdienst. Palliativversorgung ist die medizinische und pflegerische Behandlung, die auch dort erbracht wird.
Die Sterbebegleitung ist der letzte Abschnitt und nur ein Teil der Palliativversorgung.
Die kurative Behandlung zielt auf Heilung. Beide Ansätze schließen einander nicht aus und werden häufig eine Zeit lang parallel geführt.
Verwandte Begriffe: Hospiz, Patientenverfügung, Intensivmedizin.
Häufige Fragen (FAQ)
Beginnt Palliativversorgung erst am Lebensende? Nein. Sie kann bereits parallel zu einer krankheitsspezifischen Behandlung einsetzen, teilweise über Jahre. Eine frühe Einbindung verbessert die Lebensqualität und in einzelnen Situationen sogar die Überlebenszeit.
Was ist der Unterschied zwischen AAPV und SAPV? Die allgemeine ambulante Palliativversorgung erfolgt durch Hausarztpraxen und Pflegedienste mit palliativer Qualifikation und deckt den überwiegenden Teil ab. Die spezialisierte Form wird von einem besonders qualifizierten Team bei aufwendiger Symptomlage erbracht und ist rund um die Uhr erreichbar.
Verkürzen Opioide das Leben? Bei sachgerechter, an die Beschwerden angepasster Dosierung nicht. Eine Atemdepression ist dann nicht zu erwarten. Unbehandelte Schmerzen belasten Kreislauf und Allgemeinzustand zusätzlich.
Wie bekomme ich SAPV? Über eine ärztliche Verordnung, die die Krankenkasse genehmigt. Voraussetzung sind eine nicht heilbare, fortschreitende Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung und ein besonders aufwendiger Versorgungsbedarf.
Was ist ein Notfallplan? Eine schriftliche Festlegung mit Bedarfsmedikation und klaren Handlungsanweisungen für Nacht und Wochenende. Er ist eines der wirksamsten Mittel, um unnötige Notarzteinsätze und ungewollte Krankenhauseinweisungen zu vermeiden.